Aus Alt mach Neu – Anleitung Refashioning zur Offshoulderbluse

 

Rock nach eigenem Schnitt
 

2 zerknüllte Blusen

 
Seit Jahren liegen abseits meiner To Do Kiste, ganzen hinten in einer Ecke in einer Plastiktasche 2 alte Sommerhemden mit dem gleichen Schnitt.. Ich schätze mal, es sind schon 5 Jahre, denn die Idee war einmal, aus beiden Blusen eine neue bzw 2 neue Blusen zu machen. Die eine ist blaukariert, die andere orangekariert. Mein Plan war, sie untereinander zu mischen, sodass 2 zweifarbige Blusen dabei rauskommen würden.
Sie entkamen vielen Entrümpelungsversuchen. Jedesmal dachte ich mir, dass Projekt setzt Du irgendwann mal um. 
Letzte Woche war es dann endlich so weit. Ich war mir nicht mal sicher, ob ich sie in der Zwischenzeit nicht doch entsorgt hatte, bis ich sie völlig zerknüllt in dieser Tasche fand. 
Offshoulderblusen sind bei mir im Moment der absolute Renner. Bisher habe ich sie aber immer mit Trägern oder Cutouts gemacht, weil ich befürchtete, dass sie bei Armbewegungen über die Schulter rutschen würden. Als ich mir die blaue Bluse vornahm, dachte ich mir erstmal, wenn es jetzt schief geht, ist es nicht so schlimm. Die Anleitung zeige ich anhand der orangefarbenen, weil ich bei der Blauen mal wieder zu ungeduldig war und keine Fotos beim Nähen machte. 

Der Refashioningprozeß beginnt

Ursprünglich sah das Hemd so aus:
Ich breitete die Bluse aus, nahm eine Schere zur Hand und schnitt motiviert den oberen Teil ab. Wenn Ihr die Bluse richtig exakt aufeinanderlegt, könnt Ihr Vorder- und Rückenteil zusammen abschneiden. Sollte sich an Eurem Hemd hinten noch eine Quetschfalte befinden, müsst Ihr die natürlich auftrennen.

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Ich packe in meinen Koffer….

Seit Tagen bin ich gedanklich beim Kofferpacken. Ab Samstag stehen 2 Wochen Urlaub an, die reichlich gegensätzlich sind. Wir fahren als erstes nach Hamburg zum Hafengeburtstag. Nicht das ich als im Exil lebende Hamburgerin unbedingt den Hafengeburtstag brauche, aber mein hessischer Seebär hat ihn letztes Jahr kennengelernt als ich ihm einen Törn mit der Ausflaufparade zum Geburtstag schenkte.

 

 

 

 

Männern etwas zum Geburtstag zu schenken ist im allgemeinen schon nicht ganz einfach, aber wenn man regelmäßig jedes Jahr auf die Frage „was wünschst Du Dir zum Geburtstag?“ die Antwort „nix“ erhält, er aber um Punkt 12 an seinem Geburtstag laut „Geschenke, Geschenke, Geschenke“ kreischt (na gut, schreit…), dann kennt Ihr mein Dilemma. Doch dieses Jahr war ich wieder einmal fein raus, weil er so gern wieder zum Hafengeburtstag nach Hamburg wollte.
Dann hatte er kurz nach Ostern eine Überraschung für mich parat. Wir würden am Montag morgen nicht zurück nach Hause fahren, sondern auf eine Minikreuzfahrt nach Oslo. Ich war zwar schon in Norwegen, aber noch nie in Oslo und mein größter Traum ist es, in den Vigeland Park zu gehen. Genau das werden wir während unseres 4-stündigen Aufenthalt in Oslo machen und ich weiß schon jetzt, dass ich dort wieder hin möchte.
Wir werden also Mittwoch früh in Kiel mit der Fähre anlegen, uns dann ins Auto setzen und nach Hause fahren. Dort angekommen bleibt uns der Donnerstag, um Wäsche zu waschen und Koffer zu packen, weil es am Freitag für 8 Tage nach Malta geht. Ich freue mich riesig. Doch das ganze logistische Drumherum muss bewältigt werden und ich erinnere mich sehnsüchtig an Zeiten, wo ich in der Nacht 6 Stunden vor Abflug noch „schnell“ meine Koffer packte. Die Zeiten sind längst vorbei.

Seit April habe ich fleissig Sommersachen genäht, auch im Hinblick auf unseren Urlaub, aber wenn ich mir jetzt die Wettervorhersage für Hamburg und Oslo anschaue, sollte ich besser auf die Teile zurückgreifen, die ich im Winter gefertigt habe. Sämtliche Tops, Kleidchen, Shorts und Blüschen sind für diese beiden nördlichen Reiseziele völlig überflüssig.
Daher können sie schon diese Woche in den Koffer für Malta wandern, denn wehe, wenn es dort nicht warm ist. Momentan liegen dort die Temperaturen um die 22 Grad. Da Malta aber eine Insel mit reichlich Wind ist, kann es vorallem gegen Abend recht kühl werden. Also kühl für mich. Ich bin eine Frostbeule.

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Gelb und wie ich langsam dem Wahn verfiel

Während ich Ende März noch die rosa Stoffreste vom Boden sammelte, die rosa Flusen aus den Nähmaschinen holte und viele Bloggerinnen auf der h&h in Köln waren, verkündete Tweedandgreet-Bloggerin Selmin die neue Farbe für 12coloursofhandmadefashion:

GELB
„Ach, gelb….“ dachte ich noch so ganz unvoreingenommen, einfach weil die Anspannung über die Verkündung der neuen Farbe erstmal vorbei war. Dann sickerte es so langsam von meiner Initialwahrnehmung (wo auch immer die sitzt) in den Bereich meines Hirns, der für die Verarbeitung von Nachrichten zuständig ist. Scheinbar streifte die Neuigkeit dabei ausversehen die Mandelkerne (Teil des Hirns, der u.a. für Angst und Panik zuständig ist) und mir fielen spontan nur alte, längst der Altkleidersammlung zugeführte Kleidungsstücke ein, die ich allein deshalb ausrangiert hatte, weil sie gelb waren. Ich mag Gelb als Farbe sehr, aber als Kleidung??? Ich hatte immer das Gefühl, sie steht mir nicht oder fühlte mich aus anderen Gründen darin Unwohl.  Mein weltbester Partner, erinnerte mich dann aber an ein knallgelbes Leinenkleid, das ich schon hatte, als wir uns erst kurz kannten. Es war lang, hatte Größe 38 und war mir ein paare Jahre später viel zu klein. Es fristete im Keller sein Dasein im Schrank, machte sogar einen Umzug mit und kam erst letztes Jahr wieder zum Vorschein, als ich wieder reinpasste. Nur die Länge hatte mir eigentlich noch nie so richtig gefallen. Mit einer Größe von 1,76 m sind viele Kleider wie auch Hosen oft nicht lang genug. Und das Kleid hing irgendwo zwischen Knöchel und Knie, mehr in Richtung Knöchel. Kurzerhand kürzte ich es letztes Jahr, machte es ein bißchen enger und alles war gut. Und somit wurde dieses Kleid mein absoluter Notnagel für das Motto „Gelb“, denn immerhin hatte ich es abgeändert.

 

Ich meine, es ist ja nicht so, dass wir gezwungen werden, das ganze Jahr bei dieser Challenge mitzumachen, aber irgendwann ist der Ehrgeiz geweckt und man hatte ja auch schon viel Spaß, da will man weder klein bei noch ganz aufgeben (und sei es nur für einen Monat).
Zudem gab es bei Tweedandgreet so viele schöne gelbe Farbtöne, dass ich mich sehr schnell anstecken ließ und schon bald in einem Gelbfieber war, was zuletzt schon an Gelbwahn grenzte (dazu weiter unten mehr).
Ich durchsuchte die Online-Stoffläden, bevorzugt die, die auch Farbfilter hatten.
Mehr per Zufall stieß ich bei Stoffe Hemmers auf einen gelben Spitzenstoff, der zudem noch runtergesetzt war und bestellte ihn spontan ohne auch nur einen Ahnung zu haben, was ich daraus machen sollte. Bis zur Lieferung des Stoffes fuhr ich in mein Lieblingsstoffgeschäft „Das Königskind“ und klagte dort mein Leid… „Ich brauche Gelb… gelben Stoff… “ und was sah ich? Wundervolle Stoffe, einer schöner als der andere. Ich hatte binnen Sekunden schon ein ganzes Outfit vor Augen, nur keiner von ihnen war gelb oder beinhaltete auch nur Nuancen, Fasern von gelb… bis ich auf den gelben Leinenstoff aufmerksam gemacht wurde. Ein tolles Gelb. Nicht zu knallig, nicht zu hell – irgendwie toll. Und dann noch Leinen. „Ja, daraus mache ich eine Shorts!“
Ich hatte jetzt also 2 gelbe Stoffe. Einen aus Spitze und einen aus Leinen. Als ich den Spitzenstoff bekam, hatte ich auch sofort eine Ahnung, was ich daraus mache. Eine Tunikabluse mit Trompetenärmeln.


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Fashionrevolution: Was man mit einem Hemd alles machen kann

Fashionrevolution: Was man mit einem Hemd alles machen kann

In meinem ersten Beitrag zur #Fashionrevolution Week und der Initiative #Haulternative von mamimade habe ich einige Stücke gezeigt, die ich im Laufe eines Jahres aus alten Kleidungsstücken gemacht habe.

Heute möchte ich Euch anhand eines alten Flanellhemdes meines Freundes zeigen, wie ich so ein Projekt beginne, wenn ich noch nicht genau weiß, was daraus entstehen soll.
Ich muß gestehen, dass ich eigentlich schon wußte, was ich aus dem Hemd machen will, aber während ich die Fotos machte, kamen mir andere Ideen.

Wer sich für Upcycling, Refashioning, Repurposing von Kleidung interssiert, dem rate ich, einfach einmal mit dem Stück zu experimentieren. Mein erster Schritt ist eben, das Kleidungsstück, in diesem Fall das Hemd, nicht mehr als Hemd zu sehen, sondern zu versuchen, was ich alles damit anfangen kann, indem ich es einfach mal anders anziehe.
Eine andere Möglichkeit, besonders bei Hosen, ist es, erstmal die Innennähte aufzutrennen und dann genauso damit zu spielen, wie ich es mit dem Hemd mache. Vielleicht kommen Euch dabei noch ganz andere und eigene Ideen.

Hier ist erstmal das Hemd

Es ist zumindest bei meinen Projekten von Vorteil, dass ich durch meinen Partner wirklich große Hemden bekomme.

Dann geht das Experimentieren los. Ich beginne mit einer Rockvariante:

Knopfleiste einmach mal nach hinten.

 

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Fashionrevolution

Fashionrevolution
Fashionrevolution – eine Revolution der Mode? Ich habe mich über den Begriff Mode ein wenig informiert und letztlich dabei bemerkt, dass es gar nicht so sehr um eine Revolution in der Mode geht, sondern viel mehr um eine Revolution in unsere Haltung zu Kleidung bzw. der Bekleidungsindustrie.
Ursprünglich hatte ich diesen Post mit den Worten beginnen wollen, dass jeder von uns mit Mode zutun hat, selbst diejenigen, die meinen, sich nicht für Mode zu interessieren. Nachdem ich ein wenig recherchiert habe, ist das aber tatsächlich nicht richtig. Mode, so Wikipedia, hat vielmehr mit vorherrschendem Geschmack, Überzeugungen, Bräuchen und Zeitgeist zutun. Sie unterliegt einem ständigen Wandlungprozeß, der letztlich im gesellschaftlichen Kontext als üblich und dem Zeitgeist entsprechend angesehen wird.
Bei der Fashionrevolution geht es jedoch in erster Linie darum, auf die Mißstände in der Bekleidungsindustrie aufmerksam zu machen. Die ist zwar eng mit der Modeindustrie verbunden, doch selbst Menschen, die sich nicht für Mode interessieren, brauchen Kleidung.
Dann ist da die sogenannte „Fast Fashion“, Modebekleidung, die billig hergestellt wird und deren Haltbarkeit mehr als zu wünschen übrig lässt.
Doch nicht nur Fast Fashion wird in Billiglohnländern unter miserablen Bedingungen hergestellt. Es gibt zahlreiche Designer, die ihre Kreationen dort fertigen lassen. Ein teures Designerteil zu kaufen, ist also keine Garantie für faire Herstellung.
Übrigens gilt das auch für Schuhe und Lederbekleidung.

Ich frage mich immer, was man tun kann, damit sich das ändert? Unser Wohlstand beruht zum Teil auf dem Rücken von billigen Arbeitskräften, die am Monatsende um die 60 Euro als Lohn erhalten und für die eine 40 Std. Woche, bezahlter Urlaub, Krankenversicherung, Sozialleistungen, Arbeitnehmerrechte, Kündigungsschutz, usw. ein Fremdwort ist. Jeder der selbst näht, weiß wieviel Arbeit in einem Kleidungsstück steckt. Zudem natürlich auch Kosten für das Material, Strom, usw.

Wenn wir jetzt aus sozialer Verantwortung heraus die Modeindustrie boykottieren, verlieren bestenfalls die Nähfabriken in den bekannten Billiglohnländern wie z.B. Bangladesh Aufträge. Näherinnen würden als erstes ihren Job verlieren, der aber trotz der miserablen Bedingungen überlebensnotwendig ist. Würde die westliche Bekleidungsindustrie hingegen Druck auf die Besitzer der Nähfabriken ausüben, könnte es etwas ändern.
Tragisch ist es allerdings, dass erst der Einsturz der Textilfabrik vor 4 Jahren in Bangladesch ganz langsam zu einem Umdenken passieren musste.
Im Radio hörte ich zu dem Thema heute morgen eine Arbeitsrechtlerin aus Bangladesch. Sie erzählte, dass sich seit der Katastrophe damals in puncto Sicherheit schon einiges geändert hätte. Früher starben im Jahr 200 Menschen durch Unfälle in den Fabriken. Heute sind es „nur“ noch 5-10 Menschen. Meiner Meinung nach 5-10 Menschen zu viel. Die Arbeitsrechtlerin aus Bangladesch forderte in dem Radiobericht dennoch dazu auf, weiterhin Kleidung mit dem Aufdruck „Made in Bangladesh“ zu kaufen, aber mit Verantwortung. Man soll sich erkundigen, ob die Kleidung aus einer Fabrik stammt, wo die Arbeitsbedingungen besser sind. Nachzuhören ist der relativ kurze Beitrag unter Deutschlandradio Kultur Mediathek, Studio 9.

Und ich für meinen Teil finde eben auch, dass ich gekaufte Kleidung dementsprechend lange trage, abändere oder repariere, wenn es nötig ist.

Es gibt viele Möglichkeiten aus diversen Gründen abgelegte oder kaputte Kleidung neues Leben einzuhauchen. Das naheliegendste ist, sie zu reparieren. Doch wenn mir ein Teil nun gar nicht gefällt, es zu klein oder zu groß geworden ist? Ich könnte es zum Altkleidercontainer bringen, aber was dann mit der Kleidung passiert ist in zahlreichen Dokumentationen zu sehen. Es gibt aber auch noch Secondhandläden, Ebay und andere Verkaufsportale, dazu caritative Einrichtungen, die die Kleidung an Bedürftige abgibt, aber nur, wenn die Kleidung wirklich noch tragbar ist, sonst geht es von dort aus in die Altkleidersammlung.
Ich habe vor einiger Zeit damit begonnen, aus alter Kleidung neue Sachen zu machen.

So entstanden aus alten Hosen, die mir zu groß geworden waren diese Stücke:

 

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Blusen Sew a long Teil 1+2+3

Die letzten Tage stieß ich auf den Blusen Sew-a-long von Elle Puls (klick) und war erst nicht sicher, ob ich daran teilnehmen soll oder nicht. Der Gedanke spukte mir eine Weile im Kopf herum, bis ich gestern abend sicher war – ICH WERDE TEILNEHMEN.
Ausschlaggebend dafür waren die Stoffe, die ich schon seit Jahren in meiner Stoffecke anhäufe. 2 davon waren speziell für eine Hemdbluse (Klick) gedacht, die ich bereits schon einmal aus anderen Stoffen in beige/braun Tönen gemacht hatte. Und wie es so häufig ist: Die Stoffe kommen an, man steckt mitten in einem anderen Projekt, es wird Winter und eigentlich will man eine Bluse für etwas wärmere Temperaturen nähen, aber erstmal sind Strick- und Wollstoffe dran…. Ihr kennt sicher diese Gedankengänge. Am Ende des Tages lagen diese Stoffe einfach da. Jetzt ist ein neues Jahr und ich freue mich über die vielen Anreize in den Nähblogs. Ob es sich um Farben oder spezielle Schnitte handelt. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, an dem einen oder anderen Sew-a-long teilzunehmen, weil ich damit endlich zu dem komme, was schon seit Ewigkeiten in meinem Hinterkopf und Stofflager schlummert.
Etwas verspätet nehme ich somit an dem Blusen Sew-a-long von Elle Puls teil und habe heute damit begonnen. Schnitt und Stoff standen heute morgen fest. Den Rest habe ich versucht ein wenig mit der Kamera festzuhalten.
Einen ausdrücklichen Dank an Elle Puls für Ihre Anleitung der Ärmelschlitze. Ich hatte zwar bereits schon einige Blusen genäht, aber manchmal gerät das in Vergessenheit. Umso mehr freute ich mich darüber, dass ich ihrer Step-by-Step-Anleitung folgen konnte.
Hier jetzt mein komprimierter Ablauf von Teil 1, 2 und 3 in Bildern:

Erstmal Kaffee trinken und überlegen

Die Stoffe standen fest. Beim Schnitt entschied ich mich für den Hemdbluse von Schnittvision

Jetzt mache ich mich weiter an die Arbeit, damit alles rechtzeitig fertig wird.

Mal ganz ehrlich – für mich war es gut

Was habe ich in den letzten Wochen und Tagen immer wieder gehört und gelesen, wie furchtbar das Jahr 2016 war. Und natürlich sind in der Welt viele Dinge passiert, die nicht hätten passieren sollen. Es gibt Krisen an allen Ecken und Enden. Selbst in meinem Freundeskreis gibt es Menschen, den dieses Jahr besonders zugesetzt hat. Ich muss zugeben, dass es schwierig ist, in angemessener Ausführlichkeit über das vergangene Jahr zu schreiben – mir kommen meine Sätze gerade banal und oberflächlich vor angesichts dessen, über was sich alles ereignet hat und sich wahrscheinlich auch im nächsten Jahr nicht bessern wird, wenn man die Kriege auf dieser Welt betrachtet.

Es mag egoistisch und oberflächlich erscheinen, wenn ich jetzt einfach mal auf mich blicke, denn mein persönliches 2016 war gut. Es begann schwierig. Wer meinen Blog ein wenig verfolgt hat wird mitbekommen haben, dass ich in der ersten Jahreshälfte von einer großen Depressionswelle überrollt wurde. Ich schien aus dem Loch nicht mehr herauszukommen. Im Freundeskreis ereigneten sich zudem noch haufenweise Schicksalsschläge und mich plagten Schuldgefühle, weil ich nicht für meine Freunde in dem Maße da war, wie ich es hätte sein sollen. Dennoch waren sie für mich da und darüber bin ich sehr, sehr dankbar. Ich bin dankbar für diejenigen Menschen um mich, die Fehler ansprechen und verzeihen, die ehrlich sind und vergeben, die unterstützen, wenn sie eigentlich selbst Unterstützung am nötigsten hätten. In dieser Zeit habe ich viel gelernt und Kraft bekommen, um aus der Depression herauszukommen. Im Sommer habe ich nur sehr wenig genäht, widmete mich meinem Garten und in mir selbst, um wieder zu meinem inneren Gleichgewicht zu kommen. Und da bin ich jetzt – kurz vor Schluss von 2016 und stelle fest, wie unglaublich viel sich für mich verändert hat. Was ich früher verabscheute mache ich heute ganz bewusst, weil ich es plötzlich gut finde – ich ziehe eine persönliche Jahresbilanz. Und der einst überflüssigste Tag im Jahr, der 31.12. ist ein Tag, auf den ich mich freue. Ich blicke auf 2016 zurück und bin trotz aller Verfehlungen und Schwächen stolz darauf, was ich in diesem Jahr alles geleistet habe. Noch vor einem Jahr hätte ich so einen Satz nicht einmal denken können, geschweige denn auch noch öffentlich zu schreiben. 
Eines meiner Probleme am Jahresanfang war, dass ich mich zu viel vorgenommen hatte. Mein Kopf war voller Ideen, die ich alle umsetzen wollte, möglichst sofort und möglichst perfekt. Ich übernahm mich damit und es folgte dann die ausgedehnte Sommerpause. Ich kratzte mit Leidenschaft Fugen und konnte damit meinen Kopf freibekommen. Gleichzeitig vermied ich irgendwelche Nähprojekte, weil ich mir noch nicht sicher war, ob ich wieder in diesen Sog hereingezogen würde. Im Herbst begann ich dann ganz langsam mit kleineren Änderungsarbeiten an T-Shirts, Blusen und Pullovern und es machte mir Spaß. Meine Ideen kamen wieder, aber diesmal musste ich nicht alle sofort umsetzen. Im Internet entdeckte ich eine kleine App, in die ich alle Ideen, die ich habe, aufschreibe. So bleibt mein Kopf freier und ich kann immer wieder schauen, ob ich diese Ideen noch umsetzen möchte oder auch nicht. Ich habe mich verändert und ich weiß, dass mein Leben jetzt nicht plötzlich problemfrei sein wird, aber ich habe gelernt, meine Perspektiven zu verändern. Dass ich dabei auch in äußeren Dingen plötzlich eine ungewöhnliche Kehrtwende einlegte, ist für mich aus heutiger Sicht eigentlich nur logisch, auch wenn ich mich noch immer darüber ein wenig wundere, wie in meinen Blogbeiträgen aus der Zeit nachzulesen ist, z.B. „Aus Rom über Mode, Wandlungen und verschlungene Wege zum Ziel“.
Nach diesen vielen Worten möchte für den letzten Rumstag dieses Jahres 2 Dinge zeigen, die in meinen Augen gut zu den hier aufgeschriebenen Gedanken passen. 
Mein Leinenhemd ist alles andere als neu. Ich hatte vor ca. 2 oder 3 Jahren nach einem Schnitt von Schnittvision genäht. Den Stoff mit Schrift hatte ich im Internet entdeckt, einfach mal 1 oder 2 Meter bestellt, einen Teil davon zu einem Rock genäht und zu wenig Rest zurückbehalten, um daraus ein Hemd zu machen. Nachbestellen ging nicht, da der Stoff ausverkauft war. So machte ich aus der Not eine Tugend und mixte ihn mit anderen Leinenstoffresten. Am Ende hätte ich das Hemd nicht anderes haben wollen. 
 
 
Ein Jahr lang hing dieses Hemd ungetragen in meinem Schrank, weil ich es in Größe 44 genäht hatte, mittlerweile aber bei 36/38 angekommen bin. Es ist eines der vielen Kleidungsstücke, die ich in diesem Jahr geändert und teilweise auch hier   schon gezeigt habe  
 
 
Dass ich dann aber auch langsam wieder damit begann, etwas neues zu nähen, zeigt diese Samtleggings, die ich eigentlich gar nicht machen wollte, aber die Glanzhose aus „ Professionelles Fotoshooting der zweimal genähten Jacke“ wies eine Laufmasche auf und zwar richtig gut sichtbar vom hinteren Bündchen, über den Hintern bis zum Oberschenkel runter. Der Laden, in dem ich neulich den Stoff zufällig sah, hat bis zum 2.1.2017 geschlossen und das Alternativgeschäft hatte ihn nicht. Dafür aber diesen Pannesamtstoff. 
Um den Perspektivwechsel zu demonstrieren, habe ich mich durchaus für Euch verrenkt, bitte aber gleichzeitig darum, meine lackierten Fußnägel zu beachten, denn nur weil ich im Winter dicke Socken tragen, muss ich doch nicht aufhören, meine Fußnägel zu lackieren. Ich habe immerhin einiges an Jahren nachzuholen. 
 
Ich stehe tatsächlich auf dem Kopf, was jetzt nicht so gut zu sehen ist, aber glaubt mir, es stimmt. Da mal wieder keiner zum Fotografieren da war, habe ich zudem noch den Selbstauslöser drücken und mich innerhalb von 10 Sekunden in den Kopfstand begeben müssen (und das 3 mal, weil das Hemd nicht in der Hose steckenblieb). 
 
Diese Posen gingen eher in die Bauchmuskeln.
 
Noch ein kleiner Ausblick auf meinen nächsten Beitrag: Ich habe eine Lösung zu meinem Blouson  gefunden. Er ist mittlerweile fertig, wurde gestern mit den Samtleggings zusammen getragen und ich werde ausführlich im nächsten Jahr darüber schreiben. 
Ich wünsche allen einen guten Jahreswechsel, bedanke mich bei allen, die hier im vergangenen Jahr reingeschaut haben und die vielen Blogger, die mich immer wieder inspirieren. Einen ganz herzlichen Dank auch an alle Betreiber der Linklisten.
Auf ein kreatives 2017!