Ein Interview, Outtakes und keine gute Überschrift

Pünktlich zum Quartalsende habe ich gerade eine kleine Schreibblockade. Ich habe meinen Text jetzt schon 3 mal begonnen. Jedes mal anders, jedes mal bei den ersten Sätzen fest davon überzeugt : „das ist es!“ und dann ging mir die Luft aus.
Was macht man gegen so etwas? In einem Kurs „Kreatives Schreiben“ lernte ich einst, dass man sich erstmal freischreiben muss. Also schreibe ich mich jetzt erstmal frei. Denn tatsächlich schwirren mir gerade so viele Dinge im Kopf herum, dass sie noch nicht so ganz zu greifen sind.
Ich möchte eigentlich einen ersten kurzen Rückblick auf das laufende Jahr machen. Ursprünglich wollte ich mein neues Kleid vorstellen, aber dann erhielt ich heute eine Nachricht, weshalb ich meine Pläne über Bord warf, weil ein Blogpost über mein wirklich schönes Kleid dem anderen Thema nicht gerecht werden würde.
Während ich heute die ersten Fugen kratzte, war ich gedanklich schon längst beim Blog. Das Ergebnis ist, dass ein Teil der Fugen draußen wirklich toll sauber sind, mein Kopf noch immer leicht konfus. Aber das ist nun einmal so und wenn dieser Beitrag konfus erscheint – das kommt Euch nur so vor. In meinem Kopf ist es häufiger so. Also müsst Ihr da jetzt durch und wehe, jemand hört auf an dieser Stelle zu lesen. 
Ende Januar hatte ich gerade eine meiner Jeans-Wendetaschen online gestellt und kurz darauf einen weiteren Beitrag (der mir gerade nicht einfällt). Dann bekam ich eine Email von Anja Jäger, die mir in etwa schrieb „toll, gefällt mir sehr“. Nun stand aber leider im Betreff nicht, zu welchem Teil sie den Kommentar geschrieben hatte und ich fragte nach. So kamen wir in Kontakt. Es dauerte nicht lang und Anja Jäger, Künstlerin und Kreativcoach, fragte mich, ob sie ein Interview mit mir machen könnte. (Das vollständige Interview ist auf ihrer Seite hier zu lesen).
Da das mit dem Ruhm und dem Montmartre bisher noch nicht so geklappt hat (siehe hier ), halten sich die Interviewanfragen in Grenzen. Mein Letztes gab ich ungefähr 2003 oder 2004 einer lokalen Zeitung.
Ich freute mich über die Anfrage und sagte zu. Etwas später schickte mir Anja Jäger die Fragen zu und erläuterte, dass wir das Interview am besten telefonisch machen würden.
Ich bekam die Fragen und dachte erstmal… „Uffz! Was für ein Glück, dass ich darüber nochmal in Ruhe nachdenken kann.“ Die Fragen waren nicht schwierig, aber es waren für mich die Art Fragen, bei denen die Antwort bei mir nicht wirklich bewußt ist. Beispielsweise was Kreativität für mich bedeutet. Gefühlsmäßig ist mir das vollkommen klar, aber das jetzt auch noch in Worte zu fassen und dann so, dass der andere versteht was ich meine, stellt mich vor eine Herausforderung. So ging es mir mit diversen Fragen. Als dann der Termin kam, hatte ich mir zuvor schon einige Notizen gemacht, die ich aber am Ende gar nicht wirklich brauchte, denn das ganze Interview war kein Frage-Antwort Gespräch, so wie ich es mir vorgestellt hatte, sondern ein wirklich schönes Telefonat. Es dauerte fast eine Stunde und ich redete und redete.
Etwas später schickte mir Anja dann das Interview zu und ich war wirklich beeindruckt, wie sie die Essenz von dem, was ich mit gefühlten 20.000 Wörtern erzählt hatte, kurz und trefflich erfasst hatte.
Mich hat dieses Gespräch nachhaltig beschäftigt. Vor allem, als ich den Text las, den Anja Jäger geschrieben hatte. Ich las ihn und dachte „Toll!“ Im nächsten Moment wurde mir aber erst wirklich klar, dass es da ja um mich geht. In der Tat hatte ich ihn zuerst aus einer Art Vogelperspektive gelesen und langsam sickerte es in mich hinein, dass ich das war und ich empfand einen gewissen Stolz auf das, was ich bisher so gemacht habe.
Dieser Stolz ist für mich sehr wichtig, weil ich früher die Tendenz hatte, alles mögliche abzuwerten, klein zu machen, oder mit „Glück gehabt“ anzusehen. Ich lerne noch immer zu erkennen, was ich eigentlich kann und zusätzlich lerne ich täglich durch das, was ich mache und sehe dazu. Natürlich bin ich keine Schneidermeisterin, ich bin keine berühmte Malerin, Designerin oder Autorin. Ich werkel sehr gerne zu Hause vor mich hin und seit ich die Sachen auch im Internet präsentiere, wird mir bewusst, wie schön es ist, wenn ich Rückmeldungen bekomme. Das inspiriert und motiviert mich sehr. 
Ich habe viele Ideen und im Gegensatz zum letzten Jahr, wo es mir um diese Zeit nicht so gut ging, muss ich nicht alle auf einmal umsetzen. Ich werde geduldiger – auch mit mir selbst.
Der Bagpack z.B. den ich erst letzte Woche fertig bekam, reifte eine ganze Weile in meinem Kopf. Es gibt einige Stellen, wo ich glaube, dass sie besser sein könnten, aber es ist wie es ist.

Vor einer Weile las ich in einem Blog über die Schwierigkeit, einen eigenen Grundschnitt zu erstellen. Ich habe das auch schon gemacht und saß in meinem Arbeitszimmer mit Geodreieck, Stift, Papier, Maßband und – ganz wichtig – der Taschenrechnerfunktion meines Handys weil ich eine hundsmiserable Kopfrechnerin bin. Für jemanden, der das Schneiderhandwerk nie erlernt hat, ist es wirklich nicht ganz einfach. Aber genau das ist es ja, was den Beruf des Schneiders ausmacht. Er/Sie hat es erlernt. Ob Friseur, Schneider, Kindergärtner, Automechaniker und alle anderen Lehrberufe und Studiengänge, sie dauern nicht umsonst mehrere Jahre. Könnten wir innerhalb kürzester Zeit mal eben schnell ein Grundschnitt erstellen und nach unseren Bedürfnissen umwandeln, dann würden wir all diejenigen, die das Handwerk von der Pieke auf gelernt haben, herabsetzen.
Ich bin leidenschaftliche Autodidaktin, was nicht immer von Vorteil ist. Ob Malen, Nähen, Glas schneiden oder was auch immer ich an Projekten angehe – ich spüre immer wieder meine Grenzen und das ist gut so. So kann ich viele Dinge, aber nichts wirklich richtig gut, aber gut genug und immer besser.
Auf Youtube stieß ich einmal auf ein Video von einem Schneider. Das Video ging ca. 15 Minuten und zeigte, wie er ein Knopfloch von Hand nähte. Ich konnte nicht aufhören hinzuschauen. Es war so unglaublich faszinierend, mit welcher Perfektion er die Stiche machte. Das war Kunst. Meine Nähmaschine offeriert mir ca. 4 verschiedene Knopflöcher, aber keines davon wird jemals an eins heranreichen, das von Hand genäht wurde.
Dennoch bin ich stolz auf mich. Ich habe in den letzten Jahren beim Nähen und auch beim Malen sehr viel dazugelernt. Gleichzeitig habe ich bei meinem Stolz auf mich auch eine Demut und Bewunderung gegenüber denjenigen, die ihr Handwerk richtig erlernt haben und/oder bereits von Natur aus über wesentlich mehr Talent verfügen als ich.
Im Interview mit Anja Jäger betonte ich einige Male, dass man sich nicht ständig mit anderen vergleichen soll und auf mich trifft das unbedingt zu. Einschränkend muss ich aber dazu sagen, dass der Vergleich mit anderen auch sehr motivierend sein kann, wenn man sich dadurch nicht einschüchtern, sondern motiviert fühlt. Es geht darum, seine Grenzen zu erkennen und das was man kann, zu würdigen.
Gestern abend hatte ich nach langer Zeit wieder Kontakt zu einem sehr lieben Menschen, Mehrdad Zaeri, den ich einst über die Künstlerplattform Menschkunst kennenlernte. Er ist Künstler/Illustrator und ich erinnere mich, dass er sich vor vielen Jahren für ein Studium an einer Kunstschule in Hamburg bewarb und abgelehnt wurde. Dennoch ging er seinen Weg beständig weiter. Jedes Jahr freue ich mich auf einen seiner Kalender, die u.a. bei der Büchergilde Gutenberg erscheinen. Er ist für mich eine der wenigen Ausnahmen der Regel. Er ist ein wundervoller Künstler, der von einer Kunstschule abgelehnt wurde, sich aber dadurch nicht vom Zeichnen abhalten ließ und heute diverse Bücher und Zeitschriften illustriert und andere tolle Projekte macht.
 
Mein letztes Paar Spitzenschuhe
Während meiner Ballettausbildung – und ich komme langsam zum Ende – lernte ich etwas sehr Wichtiges. Das tägliche mindestens 6-stündige klassische Training im Ballettsaal war extrem fordernd. Wer aber einmal seine Ballettausbildung abgeschlossen, vielleicht im Ensemble getanzt hat, hat die Körperbeherrschung und Grundlagentechnik, um alles mögliche Tanzen zu können und es aussehen zu lassen, als wäre es das Leichteste auf der Welt. Durch meine Ausbildung erkenne ich heute bei Tänzern sehr schnell, ob sie eine abgeschlossene Ballettausbildung haben oder Ballett als Nebenfach hatten. Mit anderen Berufen ist es eben nicht anders.
In Barcelona war ich im Picasso Museum und ich sah dort die ersten Bilder, die Picasso als Jugendlicher gemalt hatte. Sie unterscheiden sich von seinen letzten Werken in jeglicher Hinsicht. Aber er hatte Malerei studiert und hatte zudem ein unglaubliches Talent. Er beherrschte die Technik. Doch dadurch, dass er das alles konnte, hatte er die uneingeschränkte Freiheit später seinen Stil zu entwickeln. So wie ein klassisch ausgebildeter Balletttänzer jeden Stil tanzen kann, den er will – Modern, Hip-Hop, Jazz… was auch immer.
Nach so vielen Worten will ich allen Interessierten sagen: Seid stolz auf das was ihr macht. Habt eine gewisse Demut vor denen, die es gut beherrschen und lernt davon.
Ausnahmen bestätigen immer die Regel. So ist mein Beitrag auch heute nicht amüsant, sondern eher ernst, aber auch das bin ich.
Wer dazu tendiert, sich durch andere und ihre Werke demotivieren zu lassen, lasst Euch sagen: Jeder hat Stärken und Schwächen. Dokumentiert werden meist nur die Stärken. Darum plädiere ich auch gern für das Imperfekte.
Ein wunderbares Beispiel dafür sind meine Fotos. Wenn ich durch die vielen Aufnahmen auf meiner Kamera blättere, schaffen es nur wenige davon, im Blog gezeigt zu werden. Die meisten werden gleich gelöscht. Hin und wieder sind sie aber so schlecht, dass sie schon wieder lustig sind und ich habe immer mehr Spaß daran, eben auch Outtakes zu zeigen, die natürlich auch einer strengen Zensur unterliegen.
Darum präsentiere ich jetzt zum Abschluß noch einige meiner Outtakes wider dem Perfektionismus.

Ich danke Anja Jäger ganz, ganz herzlich für die Gelegenheit, ein Interview geben zu dürfen. Schaut Euch auf ihrer Seite um. Sie ist ein sehr interessanter Mensch/Künstlerin mit vielen Interessen und einem unglaublichem Einfühlungsvermögen.
Bei Milliblus entschuldige ich mich dafür, dass ich meinen vorgesehen Blogpost über das Kleid auf nächste Woche verschiebe, aber ich glaube, dass ist nicht so schlimm, weil ich gerade gestern über sie schrieb und die Leidenschaft für die Stoffe hält an.
Ich wünsche allen einen schönen Donnerstag und rumse jetzt mal ein wenig, weil das hier so viel für mich ist, auch wenn die Fotos lediglich Outtakes sind.
Getreu dem Motto vom gestrigen Post: Was tut man nicht alles, um die Menschen in seiner Umgebung zu belustigen.

Einmal Montmarte und der Ruhm ist sicher – Milliblus Shorts

Die Shorts sind schon seit einer Woche fertig und ich habe den ganzen Tag überlegt, was für einen geistreichen Text ich zu diesem Blogbeitrag schreiben könnte.
Letztlich wird er nicht unbedingt geistreich, eher peinlich für mich. Heute abend hatte ich beim Tragen meiner Shorts die Assoziation mit einem Bild von Picasso. Ich möchte diesem von mir verehrtem Künstler nicht zu Nahe treten, aber das Muster auf diesem Stoff von Milliblus erinnert mich an eine Zeichnung von ihm. Und natürlich möchte ich Milliblus nicht zu Nahe treten, indem ich indirekt mitteile, dass sie nicht an Picasso heranreichen – oh mein Gott, ich bin in einer Zwickmühle, aus der ich nicht mehr rauskomme.

Ich kehre zu Picasso zurück. Vor einigen Sommern war ich mit meinem Weltbesten in Rouen in Frankreich. Es war ein wunderschöner Urlaub, wir sahen uns die Stadt an und wiedermal versagte mein Orientierungssinn, wenn ich mit meinem Partner zusammen bin. Ich komme sonst recht gut überall zurecht und meine behaupten zu können, dass ich für eine Frau einen überdurchschnittlich guten Orientierungssinn habe, aber partiell versagt er komplett. Etwa dann, wenn ich fest davon überzeugt bin, dass der Fluss, die Seine, ganz sicher, also 100 %ig, garantiert, vielleicht nicht unbedingt beim Leben meiner Kinder, aber dennoch in die falsche Richtung fließt. So was kann ja mal vorkommen. Aus Hamburg stammend passiert das bei einer Sturmflut mit der Elbe regelmäßig.

Nach Rouen machten wir einen Abstecher in die Normandie und fuhren dann spontan noch für 1 oder 2 Nächte nach Paris.
Als Malerin zieht mich Paris natürlich magisch an und ich war fest überzeugt davon, dass mein Ruhm lediglich davon abhing, dass ich zumindest einen Abend auf dem Montmartre betrunken sein müsste. Schließlich waren das alle großen Künstler und mein Ruhm war damit nur noch einige Drinks entfernt.
Ja, ich bin noch immer nicht berühmt und ganz sicher liegt es daran, dass die Lokale auf dem Montmartre keinen Absinth mehr ausschenken. So mußte ich auf Alternativen umsteigen.
Am Ende des Abends war ich ziemlich betrunken. Ich hätte Georges Braques‘  Kubismus noch vor ihm in runder Form, also Rundismus, erfunden, Picasso hätte sich schämend in die Ecke gestellt und Matisse neidisch welkende Blümchen gemalt – wäre die Höhe der Rechnung ausschlaggebend gewesen. Sie lag bei 98 Euro allein für Cocktails und ich sage besser nicht, dass mein Partner nach 2 Cocktails bei Cola blieb.
Er hatte einen heiden Spaß mit mir. Meine Freundin und mein ältester Sohn weniger, weil ich zu fortgeschrittener Stunde fest davon überzeugt war, sie anrufen zu müssen (es war ein Wochentag!) Der Verkäufer der wohlriechenden Jasminkettchen war wiederum ganz entzückt. Das Blütenband verlor ich ca. 30 Min später auf den Treppen von Sacre Coeur. 
Eine Entdeckung machte ich jedenfalls: die Französischkenntnisse steigen proportional zum Alkoholkonsum. Hätte ich das früher in der Schule gewußt, ich hätte vor jeder Französischarbeit Chartreuse getrunken.
Mein Partner profitierte von meinen plötzlich einsetzenden Französischkenntnissen, indem er ein Taxi heranwinkte und ich dem Taxifahrer so unglaublich fließend die Adresse des Hotels mitteilen konnte, dass ich selbst ganz überrascht war. Meine Schwäche im Französisch waren bis dahin immer die Zahlen spätestens ab 40. Unser Hotel hatte leider eine Hausnummer über 40, aber die flutschte mir über die Lippen, als hätte ich nie etwas anderes gesprochen.
So kamen wir mit diversem französischem Smalltalk meinerseits mit dem Taxifahrer wohlbehalten im Hotel an.
Übrigens lag dieses Hotel in der Nähe einer Straße mit dem Namen Rue Picasso (oder so ähnlich). Und somit habe ich wieder den Bogen zu meinen Shorts gespannt.

Das Muster hatte ich bereits auf dem weißen Jersey zu einem T-Shirt verarbeitet. Als ich es aber bei „Das Königskind“ in Friedberg auch auf dieser rosa Webware entdeckte, wußte ich, dass ich daraus unbedingt eine kurze Hose machen musste. Den Schnitt habe ich von Schnittvision. Es ist eigentlich eine lange Hose, aber ich habe sie gekürzt.
Ich liebe diesen Stoff. Er ist elastisch, angenehm zu verarbeiten und angenehm zu tragen. Zum Glück war das Wetter die letzten Tage so sommerlich warm, dass ich sie heute bereits tragen konnte.

Übrigens habe ich schon diverse Hosen mit Reißverschluß genäht, aber ich weiß nicht, ob Ihr das kennt? Für meinen ersten Hosenreißverschluß fand ich ein Anleitungsvideo bei Youtube und fand es sehr hilfreich. Seitdem geht kein Reißverschluß ohne dieses Video. Ich schätze es liegt daran, dass ich diesem Video immer blind Schritt für Schritt folge ohne auch nur einmal über die eigentliche Logik dieses Vorgangs nachzudenken. Eine meiner größten Befürchtungen ist deshalb, dass dieses Video irgendwann mal gelöscht wird. Bis dahin will ich mein eigenes gemacht haben. Und vielleicht verstehe ich irgendwann mal die Logik in der Anbringung des Reißverschlusses.
Satinschrägband am Innenbund
Auch wenn der April noch einige Wetterkapriolen bringen kann, freue ich mich, dass die letzten Tage so wunderbar sonnig waren.
Auf jeden Fall weiß ich schon jetzt, dass ich im Mai diese Shorts anziehen werde, denn dann geht es erst nach Hamburg und dann nach Malta.
Aber bis dahin werde ich noch diverse Beiträge schreiben.
Habt Ihr auch lustige Reiseerlebnisse? Ich muss gestehen, dass ich noch diverse Geschichten auf Lager habe, bei denen ich meistens nicht gut abschneide. Aber was tut man nicht alles, damit die Mitmenschen etwas zu lachen haben….

In diesem Sinne Euch einen schönen MeMadeMittwoch
Stoff: Milliblus, gekauft bei Das Königskind in Friedberg/Hessen
Schnitt: Schnittvision
Als Nachzügler bei 12 Colous of Handmade Fashion
und mit Punktlandung bei After Work Sewing.

Trendfarbe: Beesch für 12 Colours of Handmade Fashion

Als Selmin von Tweed and Greet anfang Februar verkündete, dass diesen Monat bei den 12 Colours of Handmade Fashion Beige dran ist, wußte ich sofort, was ich zeigen würde. Und noch toller, es lag schon seit über einem Jahr in meinem Kleiderschrank, nur war ich noch nie dazu gekommen, dieses Stück zu zeigen.
Das mag an der Farbe liegen. Ich liebe Beige sehr, wirklich, aber als Teilzeittolpatsch führt das leider dazu, dass Kleidungsstücke dieser Farbe mehr in der Waschmaschine sind als im Kleiderschrank. Mit hellen Hosen ziehe ich den Dreck magisch an. Wahrscheinlich auch mit dunklen Hosen, aber das sehe ich nicht, was nicht wirklich von Vorteil ist und länger mag ich auch darüber nicht nachdenken.

Da bei manchen nicht gerade Begeisterungsstürme wegen der Farbwahl ausbrachen, habe ich mir für heute vorgenommen, meine Hose mal mit verschiedenen Oberteilen und Schuhen zu zeigen, denn ich finde sie unglaublich wandlungsfähig. Der Schnitt ist mal wieder von Schnittvision und der Stoff (elastisch) aus dem kleinen aber feinen Stoffladen 40 Min mit dem Auto von hier entfernt – also um die Ecke. Geschlossen wird sie mit einem Reißverschluß an der Seite.

Es ist übrigens eine der wenigen Hosen, bei denen ich absichtlich auf Taschen verzichtet habe (sind auch nicht vorgesehen). Meiner Meinung würden sie die Schlichtheit nehmen.

Auf dem letzten Foto mache ich dieses erstaunte Gesicht, weil das plötzliche Knarren des Hockers beinahe vom selbigen gehauen hätte.

Das Hemd (Klick) hatte ich im Dezember oder Januar schon einmal gezeigt, aber mit den von mir heißgeliebten Paillettenstiefeln sollte es oben etwas schlichter zugehen. Außerdem habe ich tief in die Requisitenkiste gegriffen und mir Kopfbedeckungen gesucht (u.a. eine meiner selbstgemachten Beanies). Einfach nur so.

Knallrot zu Beige ist meiner Meinung nach eine tolle Kombination. Das derbe Schuhwerk schrie förmlich nach einem Rucksack.

Mit einem hellen Rosa und Pumps kann man damit auch durchaus im Büro eine gute Figur machen, was ich zum Glück nicht machen muss. Aber die Hose erlaubt ne Menge Bewegungsfreiheit. Ich wollte hier schnell einen Stift zur Hand nehmen, um festzustellen, dass der am Ende auf dem Bild nicht zu sehen ist.

So obercool mit meiner selbstgenähten Jacke (Klick) bin ich nur auf dem Foto.

 …und hält nicht lange an.

Und wenn dann gerade ein gutes Lied läuft, hüpfe ich auch durchaus mal durch die Gegend und finde, dass Michael Jackson nicht annähernd so ein guter Tänzer war wie ich!

Zum ersten mal im Blog, wenn auch schon letzten Winter gemacht: Meine Softshellbluse. Darüber aber ein anderes mal mehr.


Ihr seht, die Hose muss eine Menge mit mir mitmachen und sie ist tatsächlich während Zeit der Fotoaufnahmen saubergeblieben. 
Beige ist mit vielen Farben kombinierbar und hat das Anhängsel „alte Leute Farbe“ nicht verdient. Nun gut, ich bin auch nicht mehr die Jüngste und wehre mich vielleicht gerade deshalb dagegen.
Auch wenn ich die Hose nicht extra für die 12 Colours of Handmade Fashion genäht habe, hat mir diese Aktion wieder richtig Spaß gemacht. Vielen Dank Selmin. Ich bin jetzt gespannt auf die anderen Beiträge und die nächste Farbe. 

Montagsfreuden

Ups, das wird ja eine Jacke….

Es ist Montag, die Sonne scheint und heute morgen griff ich in den Kleiderschrank mit der Absicht, mal etwas anderes als Jeans oder Leggings anzuziehen. Dennoch sollte es warm sein, denn es ist noch immer frostig draußen und selbst drinnen friere ich.

Als erstes Griff ich zu dieser Hose und obwohl ich weiß, dass ich sie enger gemacht hatte, war ich doch erstaunt, dass ich komplett selbstgenäht hatte. Das war mir doch tatsächlich entfallen.

Beim Oberteil wählte ich den grauen V-Ausschnittpullover. Während ich beides vor dem Spiegel überprüfe, bemerke ich, dass ich ganz zufällig (oder auch nicht…) 2 Teile gewählt hatte, die selbstgenäht sind.

Es ist einfach ein wirklich tolles Gefühl, wenn man sich etwas zum Anziehen sucht und plötzlich 2 selbstgenähte Teile in der Hand hat. Und es werden immer mehr.

Mein „Puzzle-Mantel“ nimmt auch langsam Form an. Die gefühlten 367 Schnittteile konnte ich, soweit ich es überblickt habe, richte zusammenfügen. Es fühlte sich aber tatsächlich am Anfang mehr nach einem textilen 3-D-Puzzle an. Ich habe noch nie so viele eigene Markierungen mit Schneiderkreide auf Teile gezeichnet, wie bei diesem Projekt.


Neben dem vorderen Seitenteil, dem hinteren Seitenteil, dem vorderen Mittelteil und dem hinteren Mittelteil, gab es zudem noch alles als Unterteil, sowie Passe. Kragenteile, vorderer Besatz und Ärmel sind da noch gar nicht mit dabei.
Das alles dann noch als Futter .. puh! Die größte Überraschung ist aber, dass ich nach der ersten Anprobe feststellte, dass dieser „Wintermantel“ gar kein Mantel sondern eine kurze Cabanjacke ist. Irgendwo zwischen Herunterladen und Zuschneiden scheint etwas in meinem Kopf passiert zu sein.

Und noch eine Fehlleistung meinerseits: Wie in aller Welt konnte es mir passieren, einen Jackenschnitt herunterzuladen, bei dem keine Taschen sind.
Ich liebe ja Handtaschen, aber die ersetzen nun mal überhaupt nicht Jackentaschen. Schlimm genug, dass die Hose oben keinerlei Taschen hat. Wenn ich dazu dann noch den Mantel, quatsch, die Jacke anziehen sollte bin ich echt aufgeschmissen. Taschen werde ich also noch auf jeden Fall anbringen, reinschneiden oder sonst was.

So sehen jetzt sämtliche Vorder- und Rückenteile genäht aus:

Die Ärmel hab ich zur Entspannung schonmal zusammengenäht, weil ich zumindest da die Teile ohne Schwierigkeiten zuordnen konnte.

Und so soll es dann am Ende aussehen. Diese kleine technische Zeichnung hat mir sehr bei der Orientierung geholfen.
Zweifel habe ich übrigens auch gerade am Stoff. Ich bin mir nicht sicher, ob er mir noch so gefällt wie anfangs im Laden. Aber vielleicht muss ich einfach abwarten, bis die Jacke fertig ist.

Ich wünsche allen einen guten Start in die Woche!

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Die Hosentasche

Wenn ich anfange zu nähen, kommt es oftmals vor, dass ich eigentlich noch gar nicht so genau weiß, wo es am Ende hinführt oder wie ich etwas machen will. Das ist eine Art von mir, die ich vor allem beim Malen entwickelte.

Am Beispiel der Strandtasche lässt es sich gut beschreiben.
Mein Sohn und seine Freundin waren letztes Jahr auf Fuerteventura und liehen sich eine Strandtasche von mir, da sie keine haben. Das brachte mich schnell auf die Idee, eine Tasche zum Geburtstag der Freundin zu nähen. Am Wochenende begann ich mit der Umsetzung. Alles was ich sicher wußte war, dass ich meine Strandtasche als Vorlage nehmen wollte. Ich suchte geeignete Stoffreste raus und meine Wahl fiel auf einen gelben Leinenstoff. Weil er mir so etwas zu langweilig war, nahm ich noch einen grünen Stoffrest, aus dem ich einen Streifen machte, der gleichzeitig auch Einstecktasche ist. Soweit so gut. Dann wurde es schwieriger, weil ich keinen wirklich schönen Futterstoff hatte. Ich habe keine Ahnung mehr, wie ich am Ende bei Jeansstoff landete, aber plötzlich fiel mir meine alte Jeans ein, die ich im letzten Jahr bereits aufgetrennt hatte, um daraus…. hm, irgendwas zu machen. Sie hing seitdem an meiner Schneiderpuppe. Meine nächste Idee war, sie gar nicht als Futter sondern als Außenstoff zu nehmen, dafür den gelben Leinenstoff nach innen zu packen. Leider war ich mir aber nicht sicher, ob es der Freundin meines Sohnes gefallen würde. Und da ich mich auch nicht entscheiden konnte, machte ich einfach beides, nämlich eine Wendetasche.
Wie so oft sind meine Ideen schneller da, als ein Plan für die Durchführung.
Nach einigen verworfenen Ideen hatte ich die Lösung. Ich trennte die oberste Naht des Hosenbundes auf, entfernte oben die Gürtelschlaufen, trennte den Hosenknopf ab und schob die gelbe Tasche zwischen den Bund. Zufällig hatte ich noch blaues Gurtband, fand es aber für die gelbe Seite unpassend. Darum nähte ich noch 2 gelbe Streifen auf das Gurtband.
Zu guter letzt schloss ich die obere Naht wieder, befestigte die Gürtelschlaufen und muss bei der Gelegenheit mal meine Nähmaschine loben, die sich wie Butter durch die teilweise sehr dicken Nähte schob.

Bei den Fotos habe ich so einen Gefallen an der Tasche gefunden, dass ich glaube, ich werde mir auch eine machen.

Upcycling einer Hose – Teil 3 Kleid

Yeah, ich bin stolz auf mein neustes Upcyclingprojekt!
Es reicht nicht, dass die Weihnachtsfeiern, Weihnachten, das hiesige traditionelle Spaghettiessen am 28.12., Silvester und mein Geburtstag waren, nein – eine Woche später geht es gleich weiter. Mitten in Hessen lebend, wird hier heftigst gefeiert, bei allen möglichen Gelegenheiten. Ist ein runder Geburtstag angesagt, dann erst recht. Der weltbeste Lebenspartner hat es in puncto Klamotten da immer recht einfach. Entweder Jeans mit Rolli und Sakko oder Jeans mit Hemd und Sakko, hin und wieder Anzug. Die Fragen bei ihm beschränken sich höchstens auf die Farbe des Hemds oder Sakkos. Meinereiner macht sich schon lange vorher Gedanken, was man anziehen kann. In unserer Mädels-Whatsappgruppe kommt spätestens einige Stunden vor der Feier die Frage „Was zieht Ihr denn an?“ Ich, als leidenschaftliche Näherin, wähle möglichst was Selbstgemachtes. Heiligabend war eher leger mit Glanzleggings (Klick) bei meinem Sohn zu Hause und an den anderen trug ich u.a. zum erstenmal meinen Blouson (Klick) mit den Samtleggings (Klick).

Ich gehöre zwar nicht zu der Fraktion „Das hatte ich letzte Woche zur Party schon an und kann es unmöglich nochmal anziehen“ (allein schon deshalb, weil es kaum jemand bemerkt), aber wenn man schon reichlich Klamotten hat, will man sie ja auch anziehen. Das hält mich aber keinesfalls davon ab, manchmal vorm Kleiderschrank zu stehen, durch diverse Kleidungsstücke zu schauen und dann verzweifelt/weinerlich zu stöhnen „ich hab nix zum Anziehen!“. Ich glaube, dass sind die Momente, wo mein weltbester Partner froh ist, dass wir nicht zusammen wohnen.


Doch diesmal wollte ich wirklich gern dieses geupcyclte Kleid aus einer alten Hose anziehen. Es war mir gegen Mittag von der Nähmaschine gehüpft und sollte jetzt herumgezeigt werden.
Das Prinzip des Upcyclings war ähnlich wie bei den anderen Projekten. Diese graue Stoffhose ohne Elastananteil war zu groß, kaum getragen und einfach zu schade, um sie wegzutun. Ich trennte die Innenseite der Hosenbeine auf, experimentierte damit herum, hatte eine Idee und ließ das Projekt dann erstmal ca. 11 Monate in der noch zu verarbeiteten Projekte „reifen“. Per Zufall fand ich sie vor kurzem und fragte mich, warum ich damit nicht weitergemacht hatte. Im Prinzip war es schon fast fertig. Selbst einen Reißverschluß hatte ich bereits an die Seite eingenäht Die Antwort offenbarte sich mir bei der Anprobe. Das Hosenkleid saß wie angegossen – allerdings so angegossen, dass ich nur mit tiefer Atmung in den Bauch einen Abend überstanden hätte.
Dann fiel mir der graue Velourstreifen in Wildlederoptik ein, den ich als Plan C für meinen Blouson gekauft hatte. Er passte Perfekt vorne in die Mitte, hatte die richtige Breite, nur war er mir etwas zu dünn, um ihn direkt einzunähen. Darum schnitt ich aus einem Rest einen etwas breiteren aus, nähte den Velourstreifen drauf und setzte alles vorne in die Mitte. Damit ergab sich ein schöner Effekt und ich konnte wieder befreit atmen.


Und wer jetzt glaubt, ich hätte mich mit der Entscheidung für das Kleid nicht mit der elenden Kleiderfrage beschäftigen müssen, der irrt. Immerhin konnte ich noch ca. 30 Minuten herumexperimentieren, was ich drunter tragen sollte.
Am Ende entschied ich mich für die rosa Satinbluse und hatte dennoch Zeit, vor der Party noch die Fotos für den Blog zu machen.


Die Party war lustig und jeder der mich nicht auf mein Kleid ansprach, kriegte die Geschichte der alten Hose, die jetzt ein Kleid ist gnadenlos von mir aufs Ohr gedrückt.
Meiner Strumpfhose mit dem Beinamen „Laufmaschensicher“ wurde das wohl als erstes zu viel. Von den ca. 90 Stühlen die zur Verfügung standen, setze ich mich auf den, der an der Seite abgesplittert war und blieb mit der Strumpfhose daran hängen. Und da merkte ich dann auch, dass sich zwar keine Laufmasche, dafür aber ein kreisrundes Loch gebildet hatte.
Das hielt mich aber nicht davon ab nach dem Essen die Tanzfläche zu stürmen.

Ein heißer Tipp von einer guten Freundin konnte ich übrigens auf Tauglichkeit testen. Deute Dir im Laufe eines Abends einen Kellner aus, frage ihn nach seinem Namen und bedanke Dich, dass er Dich so gut mit Getränken versorgt (was an dem Abend anfangs nicht stimmte, denn die Getränke kamen nur sehr zähflüssig. Doch nachdem ich Timo (oder war es Tim?) hatte, brachte er mir ungefragt Getränke bis auf die Tanzfläche. Tauglichkeit des Test = Daumen hoch.

Edle Jogginghose

Draußen schneit es, ich habe um 7.00 Schnee geschippt und am Samstag fiel meine nachträgliche Geburtstagfeier mit einer Freundin wegen Eisregens (allerdings auch wegen meines platten Hinterreifens am Auto) aus. Und wie immer zu dieser Zeit, kommt in den Medien eine mir verhasste Redewendung vor: „Der Winter hat Deutschland fest im Griff“. Mal ehrlich, kann man sich nicht einmal etwas Neues einfallen lassen? Zumal bei dem bisschen Schnee und den Minustemperaturen man nicht wirklich von „fest im Griff“ sprechen kann. Es ist Winter. Punkt. Mir sind keine Schneekatastrophen bekannt. Meine letzte Schneekatastrophe war irgendwann Mitte/Ende der 1970er Jahre in Hamburg, wo wir zum ersten und einzigen mal Schneefrei hatten. Einige Schneeverwehungen waren so hoch, dass man bis zum Bauch in den Schnee einsackte. Und da wir keine Schule hatten, veranstalteten wir Wettläufe durch Schneewehen. Wir trugen damals Norwegerpullover, Stulpen und Wollhandschuhe, fanden uns extrem cool, allerdings waren die Wollsachen recht schnell voller Schneeklumpen, die im Haus dann recht schnell schmolzen und diesen nassen Wollgeruch in den Klamotten hinterließen.
Lange Zeit war ich auch davon überzeugt, dass diese „Schneekatastrophe“ überall in Deutschland war, bis ich mit meinem weltbesten Partner darüber sprach, dem das gänzlich unbekannt war. Erst später fand ich heraus, dass es nur im Norden so war.

Was jetzt folgt ist ein neuer Text, weil der ursprüngliche Text von mir auf nicht erklärliche Weise gelöscht wurde. Dies war nicht der einzige Post, den es betraf, allerdings habe ich bei diesem keine Ahnung, was ich in Bezug auf Schnee und edle Jogginghose geschrieben hatte.
Also kommt hier ein neuer (oder vielleicht ähnlicher) Text.
Ich gehe mal davon aus, dass es kalt war, ich mich aus dem Grund eher drinnen aufhielt und entschied, einen der Stoffe, die ich im Oktober bei Alfatex in Darmstadt erworben hatte, zu verarbeiten.
Ich wollte damals im Oktober ursprünglich zu H&M im Loop 5 in Darmstadt und fuhr auf dem Weg zum Parkhaus an dem Geschäft Alfatex vorbei. Den Kundenparkplatz verpasste ich knapp, konnte aber dafür auf dem noch größeren Parkplatz von Toys „r“ us parken (direkt daneben übrigens ein Beate Uhse Laden,,,  von wegen Toys…). Ich parkte also fälschlich auf dem Spielzeugladenparkplatz und ging in den Stoffladen, um dort ca. 4 oder 5 Stoffe zu kaufen, die ich mittlerweile alle vernäht habe.
Schon vorher hatte ich in einem H&M Laden diese neue Art von eleganten Jogginghosen gesehen, die mir ausgesprochen gut gefielen. Bei der Anprobe mußte ich allerdings feststellen, dass alle Modelle für meine Beine zu kurz waren. Im Stoffgeschäft fand ich dann einen schönen blauen Stoff mit Streifen, den ich gleich für diese Form der Hose kaufte.

Ein dazugehöriges Schnittmuster hatte ich nicht, also nahm ich eine alte Jogginghose und übertrug die Linien auf den Stoff plus noch ein bisschen mehr Zugabe, da der Stoff nicht elastisch ist.

Der Zuschnitt, sowie auch das Nähen ging nicht nur überraschend schnell sondern auch überraschend problemlos. Ich bin sicher, einige von Euch kennen das Gefühl, wenn etwas klappt, ohne einen idiotensicheren Schnitt zu haben.
Einziger Nachteil dieser edlen Jogginghose ist, dass der Stoff arg dünn ist. Ich denke, zum Frühjahr werde ich sie häufiger tragen. Natürlich könnte ich eine Strumpfhose darunter anziehen, aber das ist nur eine Notlösung.

Doch nun genug der Worte. Hier ist meine edle Jogginghose, die bequem und gleichzeitig bürotauglich wäre, wenn ich in einem Büro arbeiten würde. Da ich das aber nicht tue, trage ich sie trotzdem, weil mir danach einfach oftmals zumute ist.

Wie ihr sehen könnt, habe ich besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass sie lang genug ist.
Das einzige Problem ergab sich beim Befestigen der Ösen. Da ich zum ersten Mal Ösen an einem Kleidungsstück anbrachte, sind die Versuche ein wenig kläglich geworden. Für mich reicht es allerdings. Für die nächsten Male sollte ich vorerst etwas üben.

Mittlerweile habe ich eine Kordel durchgezogen und warte jetzt auf mildere Temperaturen, um sie tragen zu können.
Diese Hose ist ideal, um sich wohlzufühlen und gleichzeitig relativ gut angezogen zu sein. Die gängigen Modegeschäfte haben fast alle das eine oder andere Modell auf Lager, aber da die meisten zu kurz für mich sind, freue ich mich jetzt über meine Sonderanfertigung.

Upcycling einer Hose Teil 2 Blouson

 

In meinem gestrigen Beitrag Upcycling einer Hose Teil 1 (Klick) stellte ich Euch meinen neuen Rock vor, den ich aus einer alten und zu großen Hose genäht hatte.

Ausgangspunkt war diese Hose
 
Hier trennte ich die Innenbeinnähte auf und die vordere sowie hintere Mittelnaht am Schritt. Der Reissverschluss wurde rausgetrennt und der überflüssige Stoff, der im Schritt war, zurückgeschnitten. 
 
Als nächstes übertrug ich den Schnitt einer Sweatjacke auf die Hose, nachdem ich die Hosenbeine wie für einen Rock mit großer Stichlänge zusammennähte. Diese Naht war vorne nur vorläufig, weil später ein Reissverschluss eingesetzt werden sollte. Ich konstruierte einen Schnitt für die Ärmel, für die ich die restlichen Hosenbeine nahm. Soweit war alles hervorragend gelungen.
 
Alles passte wunderbar zusammen.
Als ich dann die Ärmel einsetzte und mit der Overlock noch kurz versäubern wollte, passierte das Malheur. Zu spät merkte ich, dass eine Stofflage vom Rückenteil unter die Ärmelnaht gekommen war und das wirklich sonst tolle Messer der Maschine schnitt mir ein fettes Dreieck mitten in das Rückenteil. Jeder Mathematiker wäre ob der Gleichmäßigkeit dieses Dreiecks schier aus dem Häuschen gewesen. Die Begeisterung teilte ich allerdings ganz und gar nicht. Zur Beruhigung nahm ich erstmal einen kräftigen Schluck Wein, der vielleicht die Ursache meiner Unaufmerksamkeit gewesen sein mag, denn dieser Schluck war nicht der erste. 
Wie ganz häufig bei solchen plötzlich auftretenden Katastrophen begutachtete das Unfallstück, legte es beiseite, schaltete alle Nähmaschinen aus, trank noch etwas Wein, grübelte im Hinterkopf die ersten möglichen Lösungen durch, fand nix und ging erstmal schlafen.

Ein Austauschen des Rückenteils war nicht möglich, weil ich bereits so gut wie jeden Fitzel der Hose verarbeitet hatte. Ein Flicken sah auch doof aus. Darum beschloss ich erstmal am nächsten morgen, das Loch mit meiner normalen Nähmaschine zu stopfen. Dadurch war das Loch zwar weg, aber dieses Dreieck mutete immer mehr wie eine böse züngelnde Zunge an. Ich musste es irgendwie abdecken. Ich dachte an einen Kreis, ein noch größeres Dreieck, suchte in meinem Stofflager nach möglichen Stoffen – nix. Alles sah irgendwie halbgar aus. 
Dann erinnerte ich mich wieder an ein recht bewährtes Motto von mir: Mache aus der Not eine Tugend. Ich fand ein sehr schönes breites Satinschrägband, das eben gerade die Stelle abdeckte. Da sich das Loch im unteren Teil und knapp links von der hinteren Mittelnaht befand, war meine Idee, das Band auch auf der rechten Seite anzubringen. Die Lösung gefiel mir. Einziges Problem – das Band reichte nicht. 
Also fuhr ich in den Stoffladen meines Vertrauens und suchte nach dem Band. Und ja, da war es!!!
Genial! Doch die Freude währte nur kurz, denn es war nicht mehr ausreichend Band auf der Rolle. Ein geduldiger Mensch hätte jetzt vielleicht vorgeschlagen, man solle das Band nachbestellen und mir dann Bescheid geben. – aber ich bin in der Hinsicht kein geduldiger Mensch. Wenn ich einmal im Lösung-finden-Modus bin, gibt es keine Pause, es sei denn, die Pläne C bis Z funktionieren auch alle nicht. Aber soweit war es ja noch nicht. Die Verkäuferin begann selbst nach Alternativen zu suchen und stromerte durch den Laden. Sie fand ein sehr schönes graues Veloursband, was aber nicht ganz die Verletzung meines Blousons abdeckte. Aber die Richtung gefiel mir. Dann stiess ich in einer Ecke auf verschiedene Rollen/Ballen mit Kunstleder. Mit der einen Rolle bewaffnet ging ich nach vorn, wo mein Blouson wie ein Patient auf dem Ladentisch lag und begutachtete die Farbe. Sie passte hervorragend. Und in dem Moment war für mich klar – ich mache nicht 2 Streifen, sondern einen richtig großen Einsatz aus Kunstleder auf dem Rücken.

Die nette Dame aus dem Laden war ganz begeistert von der Lösung, versicherte mir, dass sich das Kunstleder hervorragend nähen ließe und ich verließ den Laden mit dehnbaren Kunstleder, grauen Bündchenstoff und dem Veloursband (zur Sicherheit).
Zu Hause angekommen, schnitt ich das Leder zu, befestigte es mit Wondertape am Blouson, nähte vorsichtsgalber mal ein kurzes Stück Naht und war froh, dass es tatsächlich problemlos ging. Es schien sich alles doch noch zum Guten zu wenden. Ich klemmte Patient Blouson mit Kunstlederverband unter den Nähfuss und ratterte los…. nix von wegen „problemlos“! In Kombination mit dem Stoff – also links das Leder, rechts der Blousonstoff, machte mein Nähfuss schlapp, weil er nur den Blouson, das Kunstleder jedoch verzögert transportieren wollte. 
Also Trennmesser her und noch mal. Ich klebte ein Stück Tesafilm unter den Fuss, was überhaupt nichts brachte. Erst das Seidenpapier, das ich nur über das Kunstleder legte, liess mich am Ende alles knappkantig auf- bzw. absteppen. 
Der Rest ist schnell erzählt: Reissverschluss (aus einer alten Jacke herausgetrennt, Bündchen dran – fertig! 
Am Ende bin ich wirklich sehr glücklich über den Blouson. Das Kunstleder sieht klasse aus und macht die Jacke noch interessanter. Ohne das Loch wäre ich nie auf die Idee gekommen. 

Ende gut, alles gut. Eine einzig kleine Änderung nahm ich im Nachhinein noch vor… der Nüpsel vom Reißverschluss, also das Ding, an dem man zieht war alt und häßlich. Dafür habe ich jetzt einen neuen aus Metall angebracht.

Upcycling einer Hose -Teil 1

Als ich vor ein paar Monaten meinen Kleiderschrank durchforstete, fand ich 2 Hosen, die ich schon lange nicht mehr getragen hatte, weil sie mir viel zu groß geworden waren. Dennoch wollte ich mich nicht von ihnen trennen, weil mir der Stoff gut gefiel. Ich überlegte lange, ob ich sie enger machen könnte, aber der Schnitt stellte mich jedesmal vor Probleme. Hinten waren 2 Taschen, die durch das Abnähen der hinteren Naht so weit zusammengerück wären, dass es quasi 1 große Tasche geworden wäre. An den Seiten waren die Eingriffstaschen, die auch verschwunden wären. So lagen sie lange herum. Durch mein Interesse an Kleidungsupcycling, bekam ich schließlich einen erweiterten Blick. Wenn man aus einem Herrenhemd Shorts (Herrenhemd zu Shorts ) machen kann, muss es doch auch andersrum funktionieren.

Zuerst trennt ich die Innenbeinnähte auf und dann die Nähte im Schritt, vorne bis zum Reissverschluss und hinten bis kurz vor das Bündchen. Ist die Hose erstmal soweit aufgetrennt, kann man damit wunderbar herumexperimentieren. 
Bei dem heutigen Projekt entschied ich mich für einen relativ einfachen Rock. 

Er war recht schnell genäht, dabei verschwanden die vorderen Eingriffstaschen und sah an sich erstmal ganz gut, aber für meinen Geschmack zu einfach aus. 
Vor mir lag der Rest der Hosenbeine und irgendwie hatte ich plötzlich die Idee, sie noch irgendwie in den Rock einzuarbeiten. Zudem fehlten mir jetzt Taschen. Ich bin ein absoluter Taschenfreak bei Kleidungsstücken. Zwar gibt es in meinem Kleiderschrank auch Stücke ohne Taschen, aber das stellt mich jedesmal vor manche Probleme. Bei Kleidern kann ich damit irgendwie leben, aber bei Röcken und Hosen nur schwer. 
Da dieser Beitrag auch vom Fehlerteufel betroffen war, kann ich gar nicht mehr genau beschreiben, wie ich auf die Variante mit den Taschen kam. Vor ein paar Tagen fand ich sogar eine kleine Skizze dazu zwischen anderen Papieren. Dennoch kann ich nicht mehr sagen, wie ich auf diese Idee kam – sie war plötzlich einfach da. 
Die Hosenbeine nähte ich also einerseits in die Seitennähte und gerafft in die vordere Mitte kurz unter den Reissverschluß. Unten steppte ich sie fest und oben ließ ich einen Eingriff. Somit wurde der eher solala Rock mehr zu einem besonderen Stück. Die Hose wurde vor dem Schreddern gerettet und geschäftsmäßig gesprochen haben wir hier eine klassische Win-Win-Situation. 
Diese Hose war zwar nicht die Ausgangsbasis, aber sie ist ihr sehr ähnlich. 

Die hinteren Hosentaschen wurden auch wieder angenäht, nachdem ich sie vorher entfernt hatte.

Wer noch Kleidung zu Hause hat, von der er sich nicht trennen will, dem empfehle ich, einfach mal einige Nähte aufzutrennen und herumzuexperimentieren. Drehen, wenden, umdrehen – es steckt oft viel mehr drin, als man glaubt. 

Meine Kollektion

Auch wenn ich im Moment viele Taschen nähe, begann insbesondere in den letzten Jahren ursprünglich meine Leidenschaft für Selbstgemachtes bei Kleidung. Klamottenläden gibt es zwar genug und ich bin jetzt auch nicht jemand, dem es peinlich wäre, bei einer Party das gleiche Kleid an einem anderen Gast zu sehen, aber die Möglichkeit, einfach mal etwas für sich zu nähe, maßgeschneidert zudem, mit eigenen Ideen und iftmals günstiger als im Laden hat mich immer gereizt. Den ersten Stücken konnte man noch durchaus ansehen, dass sie selbstgemacht waren, doch je mehr ich nähte, desto besser wurde es. Das wurde mir einmal ganz bewußt, als ich meine Hosen aussortierte und bei einer etwas stutzig wurde, weil ich kein Label und keine Größe drin fand. Ein kurzer Blick ins Innenleben des Stückes ließ mich auf den ersten Blick in der sicheren Annahme, dass sie gekauft sein musste. Als ich dann alles näher betrachtete, sah ich aber doch, dass sie aus meiner eigenen Hand stammte und da wußte ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich mache noch immer Fehler, bin oft unzufrieden mit mir, halte mich immer wieder dazu an, anstatt ungeduldig etwas „schnell“ zu machen, doch lieber sorgfältig zu arbeiten und dabei gleichzeitig die mir eigene Perfektionismuslatte etwas tiefer zu legen. Wenn am Ende ein Kleidungsstück fertig ist, es gut sitzt, ich mich darin wohfühle, sollte das reichen. Sagt dann noch jemand, dass es gut aussieht, muss ich nicht gleich von sämtlichen Nähfehlern erzählen oder auf Details aufmerksam machen, die mir nicht so gelungen sind. Ein „Danke“ als Antwort genügt, übrigens meist auch demjenigen, der das Kompliment gemacht hat. 

Hier möchte ich jetzt einige Kleidungsstücke vorstellen, die ich mir genäht habe, die an dieser Stelle immer mal wieder ausgetauscht werden. 

Heute aktuell weil RUMS-Tag: Die Softshelljacke