Männersachen: Regenbogen oder wie man dauerhaft 10 Jahre zusammen ist.

 

Vor 10 Jahren lernte ich meinen Partner kennen. Allerdings ist das nicht richtig. Neudeutsch würde man „alternativ facts“ sagen.
Um das zu erklären, muss ich ein wenig ausholen. Vor einer Weile trafen wir uns mit befreundeten Arbeitskollegen von ihm im tiefsten Schwarzwald. Morgens beim Frühstück fragte uns seine Kollegin, wie lange wir eigentlich schon zusammen wären und mein Partner sagte „10 Jahre“. Ich sagte erstmal nichts. Immerhin hatten wir uns am Arbeitsplatz ineinander verliebt und es damals geheim gehalten. Später auf der Heimfahrt fragte ich ihn, weshalb er „10 Jahre“ gesagt hatte und er antwortete ganz selbstverständlich: „Wieso? Wir sind doch seit 10 Jahren zusammen“. Zu dem Zeitpunkt waren wir bereits mindestens 15 Jahre zusammen. Ich musste so lachen, weil das so typisch Mann ist. Von da ab beschlossen wir, wenn man uns fragt, einfach IMMER „10 Jahre“ zu sagen. So werden wir ewig seit 10 Jahren zusammen sein.
Mein Partner ist Sohn einer gelernten Pelznäherin und wuchs mit Nähen praktisch auf. Manch einer entwickelt eine Leidenschaft für das, was die Eltern bzw. Mutter macht – andere nicht unbedingt. Er sah vorwiegend den Nachteil darin. Wenn es zu Hause zu flicken oder auszubessern gab, wurde es wochenlang nicht erledigt, weil erstmal die Kunden dran waren. Als ich das erste mal etwas für ihn binnen weniger Tage erledigte, war er ganz erstaunt.
Ich erinnere mich an mein erstes Kleid nach 20 nähfreien Jahren, dass ich ihm damals zeigte und er war begeistert. Dann folgte Kleidungsstück nach Kleidungsstück und anfangs war er mit dem gleichen enthusiastischem Lob dabei. Irgendwann flachte es nach und nach ab.
Ich zeigte ihm voller Stolz mein in der Nähtechnik immer besser werdenden Teile und er sagte: „Schön“.
Und wo kommt jetzt der Regenbogen aus der Überschrift her?
Ganz einfach. Dieser tolle Mann arbeitete eine Weile häufiger vom Home Office aus. Dabei hatte er oftmals nebenbei den Fernseher laufen und wurde so recht schnell zum Fan von „How I met your mother“. Ich mochte die Serie gar nicht, weil im Hintergrund immer dieses Konservenlachen zu hören ist. Aber mein mir nicht angetrauter Mann kann toll erzählen und so erzählte er mir immer wieder lustige Szenen dieser Serie, bis auch ich begann, sie mir anzusehen. Irgendwie gelang es mir, dieses Konservenlachen auszublenden und war angefixt.
In einer Folge ist die Kindergärtnerin Lily zu sehen. Ein kleines Mädchen kommt zu ihr und zeigt ihr einen Regenbogen, den sie gemalt hat und Lily sagt:“Ein Regenbogen! Wie wundervoll!“…. und das wiederholt sich immer und immer wieder, bis man das 1001. Mal sieht, wo ihr das selbe Mädchen einen weiteren Regenbogen zeigt und Lily sagt diesmal  „Schon wieder ein Regenbogen!?!?! Meine Güte, kannst Du nicht mal was anderes malen!“.
Mir wurde irgendwann klar, dass ich mit meinen genähten Kleidungsstücken genau den selben Effekt bei meinem Partner auslöste. Um dem vorzubeugen, kündige ich seitdem ein neues Teil mit den Worten: „Achtung, ich muss Dir einen weiteren Regenbogen zeigen!“ an. Das hat den Vorteil, dass ich auf ein weiteres „schön!“ eingestellt bin, er hingegen weiß, dass ich eigentlich voller Stolz bin.

Ihr seht schon, ich gehe davon aus, dass mein weltbester Partner meine Näharbeiten zwar anerkennt, aber nicht immer Lust hat, voller Enthusiasmus in Ekstase zu geraten.
Mein anderer strategischer Zug war, ihm hin und wieder etwas zu nähen. So wünschte er sich Einkaufsbeutel und eine Holzfällerjacke mit Teddyfutter. 
Die Stoffe suchte er sich jeweils selbst aus. Das Kunstkuhfell stammt noch aus einer Geburtstagsaktion im Verwandtenkreis. Aus dem Rest des maritimen Stoffes konnte ich mir selbst noch eine Tasche (Klick) nähen.
 
 
Das Schnittmuster hatte ich von einer anderen Jacke von ihm abgenommen.
 
Und da der Besitzer selbst nicht modeln wollte, übernahm ich das. Bei sitzt sie etwas lockerer.
 
 
 
 
 

Vor ein paar Tagen waren wir im Kino. Eigentlich wollten wir „Allied“ gucken, aber der lief nicht mehr. Und da weder er noch ich Lust auf irgendwelche Kinderfilme in 3D hatten, schauten wir uns „Passengers“ an. Die Handlung ist recht schnell erzählt. Eine Raumstation auf dem Weg von der Erde zu einem anderen Planeten, die Passagiere schlafen, einer wacht zu früh auf, weckt eine Passagierin, weil er so alleine ist und den Rest verrate ich nicht.
Irgendwann werden die Schuhe der Frau in Großaufnahme gezeigt und mein Partner, der sich seit meinem von mir entwickelten Schuhtick vor 3 Jahren über mich lustig macht, lehnt sich zu mir rüber und sagt doch tatsächlich: „Diese Schuhe, dass wäre doch was für Dich!“…….


Ich kann es noch immer nicht fassen, dass er das gesagt hat. Und auch nicht, dass er auf der Rückfahrt davon erzählte, dass er bei der Bluse, die die Frau in einer der letzten Szenen trug, mir doch bestimmt gefallen hätte. Einzig dass er das geniale rote Kleid von der Hauptdarstellerin nicht bemerkt hatte, gab mir den Glauben an sein Modemuffelsein ein wenig, aber auch nur ein wenig, zurück.

So ändert sich die Beziehung nach 10 Jahren. Nicht nur ich habe mich seitdem verändert, sondern er auch. Aber zum Glück ziehen wir irgendwie in die gleiche Richtung.

 
Die Fotos sind übrigens bei ihm zu Haus mit der Handykamera entstanden und werden heute bei
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Bin ich die Einzige, die immer sucht?

Seit  meinem letzten Blogeintrag über meine Lieblingsstücke 2016, suche ich wie eine Blöde meinen Schlüsselanhänger. Ich wollte ihn ursprünglich auch vorstellen, entschied mich aber dann dagegen. Doch vorher hatte ich ihn schon von meinen Schlüsseln abgetrennt, in die Hand genommen und dann sämtliche Klamotten für das „Fotoshooting“ erstmal auf das Bett geworfen. Glaube ich. Möglich war aber auch die Variante, dass ich erstmal nach oben gegangen bin, um nach den Sommerklamotten zu gucken. Oder nach dem alten Vorhang aus der Studentenbude meines Sohnes, den ich über meinen Sessel drapierte – für die Fotos. Wie auch immer, ich fotografierte meine Lieblingsstücke, räumte alles wieder weg und etwas später merkte ich, dass dieser Anhänger fehlte. Das war Mittwoch. Seitdem habe ich einen großen Teil meines Tages mit Suchen verbracht.
Ich ging alles in Gedanken durch, fand diesen dämlichen Anhänger aber nicht (dafür aber die weinrote Strumpfhose, die ich auch vermisste). Im Grunde war der Verlust des Anhängers nicht so sehr das Problem. Ich hätte mir schnell einen neuen machen können, aber das Innenleben macht ihn für mich so wertvoll. Da sind nämlich meine Earphones drin und – wie ich gestern auf dem Weg zum Supermarkt bemerkte – mein Einkaufswagenchip.

Murphy’s Law: Ich hatte auch keinen Euro und musste zum Korb greifen. Auf der Einkaufsliste standen u.a. 3 Liter Milch, 1 kg Karotten, Blumenkohl und alles, was sonst noch recht schwer ist.
Wieder zu Hause, suchte ich weiter. Schlafzimmer, Kleiderschrank, Wäschekorb, Regale, unterm Sofa, hinterm Sofe, Flur, sämtliche Schuhe (und das sind nicht wenige), in die der Anhänger hätte reinfallen können, unter Schränken, Truhen, auf meinem Nähtisch (das reinste Chaos, weshalb ich ihn nicht fotografieren kann, weil dann mein Image auf den Nullpunkt sinkt), sämtliche Stoffbeutel usw.

Heute morgen schaute ich beim ersten Kaffee auf die Freutagseite und dachte mir, wie schön es doch wäre, wenn ich hier heute meinen Schlüsselanhänger posten könnte. Nach dem 2. Kaffee war ich wieder am Suchen. Mein Nähzimmer (etwas übertrieben, aber Nähecke ist untertrieben), die Stoffe und schließlich mein altes Schlafzimmer, wo das Projekt seinen Anfang nahm. Und was soll ich Euch sagen: Ich fand ihn!!! Er war an die noch nicht abgesuchte Seite meines alten Betts gefallen.
Ja, heute ist Freutag, der 13.!

Und wenn ihr euch jetzt fragt, warum ich eben so ein Gedöns um diesen Anhänger mache, dann deshalb, weil er vielleicht nicht sonderlich schön, aber für mich ganz persönlich unentbehrlich ist.

Nach so viel Geschwafel eine kurze Erklärung. Haustürschlüssel habe ich eigentlich immer bei mir, wenn ich draußen bin. Es sei denn, ich schließe mich, wie im Sommer, gleich zweimal aus, muss beim ersten Mal den Nachbarn bitten, mich wieder reinzulassen, beim zweiten Mal meinen Vermieter anrufen, ob er mich wieder reinläßt (längere Geschichte, wie so oft bei mir). Mit den Earphones kann ich somit überall und immer, wenn mir danach zumute ist, Musik oder Hörbücher hören. Den Einkaufswagenchip hatte ich früher direkt am Schlüsselbund, verlor die Dinger aber ständig, weil die Billigkarabiner nach einiger Zeit ihren Geist aufgaben. Darum nähte ich mir in den Anhänger noch das Extrafach für den Chip. 

Den gelben Karabiner hatte ich mir deshalb zugelegt, weil ich beim Joggen nur 2 Schlüssel dabei habe und die auch meist in die kleinen Schlüsseltaschen der Hosen passen. 
Praktisch ist der Anhänger auch, um die Schlüssel hineinzulegen oder aber auch mal Kleingeld reinstecken kann, wenn man nicht das ganze Portemonnaie mitnehmen will. 
Um zur Überschrift meines Blogs zu kommen: Ich habe jetzt diesen Anhänger verloren, gesucht und gefunden. Aber leider ist das nicht das Einzige, was ich verliere. Manchmal sogar meine Kaffeetasse. Ich habe auf meiner inneren Liste ständig irgendwas, wonach ich suche. Stoffscheren, von denen 3 Stück besitze, sind hin und wieder alle weg. Meist liegen sie dann unter ausgebreiteten Schnittmustern oder Stoffen. Bereits 2 mal habe ich Bordkarten kurz vor Abflug verloren. Eine war in der Raucherlounge, die andere hatte ich versehentlich weggeworfen und durfte vor der japanischen Reisegruppe im Müll wühlen, um sie wiederzufinden. Ich verliere so ziemlich alles und habe manchmal das Gefühl, dass ich mein halbes Leben mit Suchen verbringe. Mehr Ordnung schaffen, wäre eine Möglichkeit, aber ob ihr es glaubt oder nicht – allein mit dieser Maßnahme habe ich schon unendlich viel gesucht, weil ich mich nicht mehr erinnern konnte, wo ich das Suchstück nun hingepackt habe. Außerdem habe ich es aufgegeben, ein ordentlicher Mensch zu werden. Mit 52 ist der Zug da abgefahren. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir schreibt, dass es Euch auch manchmal so geht. 

Muh!

Vor einigen Jahren brauchte mein Partner für eine Mottoparty eine Art Überwurf aus Kuhfellimitat. Der Rest des von ihm bestellten Stoffes landete natürlich bei mir und nahm mir Platz weg. Was macht man aus so einem Stoff?
Natürlich eine Tasche…

 
Ich muss gestehen, dass ich diese Tasche mit einigem Widerwillen genäht habe. Zugeschnitten lag sie ein paar Wochen bei mir herum und heute war so ein Tag, an dem ich endlich mal einiges erledigen wollte. Dazu gehörte eben auch diese Tasche und ich bin wirklich, wirklich froh, dass sie fertig ist. 
Das nächste Projekt, welches ich heute beendet habe ist die „241 Tote“ aus dem Blog von noodle-head. „Tote“ sind keine Toten sondern das englische Wort für Beutel oder Tragetasche. Das Schnittmuster gab es auf der Seite umsonst mit dem Hinweis, dass es ausdrücklich erlaubt ist, diese fertige Tasche zu verkaufen – allerdings „nur“ 241 mal. 
Beide Taschen sind innen gefüttert und haben eine kleine Einstecktasche. Die „241 Tote“ hat zudem noch die beiden Aussentaschen. 
Neben den Taschen konnte ich heute noch einiges ausprobieren, aber davon berichte ich eventuell morgen.