Und jetzt?

Nach einer Woche in Meeresnähe bei meiner bestern Freundin, einer Ü30 Party (wo mir am Eingang einfiel, dass ich meinem Partner vor einer ganzen Weile mal voller Überzeugung gesagt hatte, dass meine Discozeit endgültig vorüber ist) und die ich erst um 3:00 Uhr morgens verließ, einem Besuch in Lübeck, wo ich den leckersten Cocktail meines bisherigen Lebens trank, joggen am Nord-Ostsee-Kanal, Milchkaffee mit Blick aufs Meer und dem ungewöhnliche Gefühl, 2x mit der Bahn durch Hamburg, meiner Heimatstadt, gefahren zu sein, ohne auszusteigen (ich danke der Deutschen Bahn übrigens an dieser Stelle sehr für die Möglichkeit, auf der Rückfahrt aufgrund einer Verspätung mein Sportprogramm im Bereich Ausdauer und Krafttraining innerhalb von 2 Minuten gleich miterledigen zu können), bin ich nun wieder zu Hause und kann mich meinen Projekten widmen.
Mein letztes Projekt – das umgewandelte Herrenoberhemd beschäftigt mich allerdings noch. Die Shorts war eines der ersten Kleidungsstücke, die mich zu Hause empfing, weil ich vor meiner Abfahrt nicht mehr zum Aufräumen gekommen war. 
Da heute Rums-Tag ist möchte ich gern mal eine (nicht immer ganz ernstgemeinte) Umfrage unter den Besuchern machen. Wenn Ihr so eine Hose hättet, wie würdet ihr sie stylen? Mit Tshirt oder Bluse? Am besten nur zu Hause? Gestreiftes Oberteil oder auch kariert? Krawatte oder Fliege?
Im Strandbad als Badeshorts? 
Eventuell Manschettenknöpfe? 
Ich freue mich auf Eure Ideen, während ich jetzt erstmal eine alte und zu große Übergangsjacke bearbeite, bevor ich mich an das nächste Hemd mache. 

Völlig kleinkariert – Herrenmode ist ja so langweilig!

Vor einer Weile brauchte mein Partner neue Schuhe und ich sagte spontan: „Ich komm mit.“ Das hätte ich früher nicht gesagt, weil mich tatsächlich Schuhekaufen eher nervte. Doch mit 48 entdeckte ich meinen mir angeborenen Schuhtick und habe seitdem Nachholbedarf. Wenn ich früher maximal 2 Paar Schuhe pro Saison stetig trug und zu besonderen Anlässen das eine Paar Pumps hervorkramte, um bei 5 cm Absätzen nach 30 Minuten schon maximal zu jammern, kann ich heute meine Tage nicht nur mit der Frage „was ziehe ich heute an“ gestalten, sondern auch noch „und welche Schuhe passen dazu?“. Ich krieg es auch locker hin, mir erst die Schuhe auszusuchen, weil es dieses eine Paar unbedingt sein muss und dann vor dem Kleiderschrank zu stehen.

Doch zurück zu meinem Partner. Wir fuhren also in das regionale Schuhgeschäft und teilten uns gleich nach Durchschreiten der Eingangstür auf. Er nach links zu den Herren und ich zielstrebig nach rechts zu den Damen Gr. 39. In weniger als 10 Min hatte ich bereits 3 Paar Schuhe, die mir gefielen und ich humpelte zur Herrenabteilung, denn ich mußte sie unbedingt zeigen. Mein Partner hatte auch bereits schon ein Paar ausgesucht, aber ganz ehrlich – die sahen genauso aus wie seine alten Schuhe. Und da wurde mir mal wieder gewahr, wie sehr einem die Männer doch leid tun können. Die Auswahl an Form, Farbe und Absatzhöhe ist so gering. Mein Mitleid, welches ich im Laden noch vor der Verkäuferin kund tat, regte lediglich das Gespräch zwischen der Verkäuferin und mir an, während mein Partner es völlig überflüssig hielt. Natürlich gibt es mittlerweile auch bei der Herrenmode Designer, die ausfällige Stücke kreieren, aber die meisten Männer, die ich kenne, bleiben bei dem, was sie haben und kennen. Vorallem in der Büromode, wo es mit Sicherheit auch angebracht ist. 
Mein „ich-kauf-das-gleiche-Schuhmodell-nochmal-Mann“ gab mir nun vor einer Weile ein Hemd von sich, dass mal wieder am Ellenbogen aufgerissen war. Ein paar von diesen Hemden hatte ich für ihn schon mit Wildlederflicken repariert, doch noch mehr wollte er nicht, ich hingegen wollte das Hemd, um mal zu sehen, was man alles daraus machen kann.

Seit ich das Frackhemd zu einer Sommerbluse umgearbeitet hatte, war ich neugierig, was sich noch
so alles mit Hemden anstellen läßt. Da gibt es ja schon viel im Netz zu sehen. Kissenhüllen, Taschen, Taschenfutter, Täschchen, Etuis, Röcke, Kleider, usw. Mein Ziel war aber, das Hemd so umzufunktionieren, dass es am Ende so aussieht, als hätte es eigentlich nie etwas anderes sein sollen, als das, was ich daraus gemacht habe. 
Im Überblick
Im Einzelnen:

Da ich mit dem Wandlungsprozeß zu schnell war, konnte ich kein Foto mehr von dem Zwischenleben als Herrenoberhemd mehr machen. Darum habe ich hier jetzt ein Foto von dem nächsten Hemd, das auf seine neue Bestimmung wartet – nur falls jemand gerade nicht im Kopf hat, wie ein normales und von mir nicht gebügeltes Hemd aussieht.
Mein erster Schritt war, die Ärmel aus dem Hemd zu trennen. Solange ich nicht genau weiß, was aus einem Stück werden soll, trenne ich die Nähte auf. Dann legte ich die Teile vor mir auf dem Boden aus und begann zu experimentieren. Auch dazu gibt es keine fotografische Prozessdokumentation. 
Irgendwann bemerkte ich, dass die Ärmellöcher, wenn auch die Schulternaht geöffnet ist, im Prinzip schon den Schritt einer Hose haben und von dem Moment nahm mein Projekt Gestalt an. 
Das ist der erste grobe Entwurf, nachdem ich die Ärmelausschnitte zum Hosenschritt gesteckt hatte. Von hier aus ging die Arbeit dann eher etwas langsamer voran, weil ich noch andere Projekte hatte, aber das war auch gut, denn so konnte in meinem Kopf langsam die Idee entstehen, wie ich die Hose haben wollte. Letztlich wurde sie eine Shorts. Ich wollte am Ende so viele Elemente des Hemds in der Shorts haben, wie möglich. Am Ende habe ich lediglich „nur“ den Faden und meine Zeit zugefügt. Selbst der ursprünglich eingeplante Reissverschluss ist weggefallen, weil ich die Knopfleiste vorne verwendet habe. Dazu habe ich lediglich ein weiteres Knopfloch eingearbeitet, weil die Abstände der der Knopfleiste etwas zu groß waren. 
Der Kragen bildet nun die vordere Blende. Ich habe ihn in der Mitte durchgeschnitten und dann mit einem Stück der Rückenpasse verlängert. Selbst Bügeleinlage war unnötig, weil alles noch im Hemd vorhanden. 
Die Brusttasche wartet lediglich noch darauf, hinten als Gesäßtasche eine neue Bestimmung zu bekommen, aber sonst ist alles fertig.
Die Ärmel samt Manschetten sind jetzt aufgesetzte Cargotaschen
Die anderen Varianten, die mir noch vorschwebten, werde ich dann am nächsten Hemd ausprobieren. 
Nachträge:
Nachtrag 1 
Beim Betrachten der Bilder ist mir aufgefallen, dass das kleinkarierte Material auf den Fotos diese komische Wandlung annimmt, weshalb Zuschauer in Fernsehstudios angehalten werden, tunlichst auf solche Muster zu verzichten. Wäre jetzt in meinem Fall und der Bestimmung beim Fotoshooting nicht so optimal gewesen. Ich bitte das zu entschuldigen.

Nachtrag 2

Die Kombination von kräftigen Kerl mit XL Maßen und eher schlanker Frau mit Größe S ist bei diesem Model sehr zuträglich. Keine Ahnung, wie es sich andersrum gestaltet. Also viel Hemd für wenig Frau war schon ganz passend.
Nachtrag 3
Der Schuhkauf ging übrigens so aus: Mann kaufte 3 Paar Schuhe, ich keine weil a) konnte mich nicht entscheiden, b) für 4 Paar Schuhe kein Geld. Aber ich schwöre, die sahen alle toll aus, auch wenn ich mich schon nicht mehr erinnere, welche ich Moment des Anprobierens für absolut unentbehrlich hielt. 
Nachtrag 4
Völlig Zusammenhangslos mit allem, was ich bisher heute geschrieben habe, aber eben ertappte ich mich mal wieder genau hierbei. Die ganze Geschichte dazu ist im Beitrag von gestern über Mug Rugs zu lesen. Das Bild ist nicht manipuliert. Von links nach rechts:
Kaffeebecher, im mitlleren Vordergrund Kaffeerand, Becherkissen aka Mug Rug.

Calling Summer! … Repurposing oder Upcycling?

Nach einem Tag Bettruhe geht es heute etwas besser, zumindest will ich es so. Die Sonne scheint durch mein Dachfenster, ich habe nachher einen Termin beim Arzt, um endlich meine Tauchbescheinigung erneuern zu lassen, denn Ende April geht es nach Malta und nach einer langen Pause, will ich endlich wieder tauchen, zumal Malta zum Tauchen ein Paradies sein soll und ich allein beim Schnorcheln schon sehen konnte, dass es sehr vielversprechend ist. Gesundheitlich bin ich zwar noch nicht wieder richtig fit, aber ich hoffe, dass steht der Bescheinigung nicht generell im Weg. Schlimmstenfalls muss ich einen neuen Termin machen.

Ende April/Anfang Mai heißt auf Malta schon Sommer und dazu fielen mir sofort 2 Dinge ein – meine neue Shorts, die ich hier ja schon gezeigt habe und meine ärmellose Bluse, die ich letztes Jahr aus einem alten Herrenfrackhemd gemacht hatte. Tatsächlich passen die 2 für meine Begriffe gut zusammen und ich freue mich über den Gedanken, dass ich 2 Teile habe, aus denen ich etwas Neues machen konnte. Das Herrenhemd bekam ich von einem Freund geschenkt und allein die Details vorne gefallen mir sehr. 
Ich habe jetzt beides zusammen anprobiert und entschieden – die werden mit in den Koffer wandern. 
Zu den Shorts hatte ich ja bereits etwas geschrieben. Das Hemd ließ sich auch recht einfach umschneidern. Ich trennte den Kragen ab, sodass nur noch der Steg übrig blieb. Auch die Ärmel wurden abgetrennt. Dann nähte ich die Seiten ab, nahm schon da ein wenig aus den zu großen Ärmellöchern weg, machte Abnäher vorne und hinten. Die restliche Armlochweite zog ich oben an der Schulterpasse weg, die ich insgesamt auch etwas schmaler machte. 
Zum Tauchen eignet es sich natürlich nicht. Dafür hätte ich rein theoretisch einen Neoprenshorty, der mir aber leider mittlerweile viel zu groß ist, weil ich beim letzten Tauchgang noch gute 30 kg mehr wog. 
Den werde ich wohl nicht abändern können, aber vielleicht neu verwerten. Neopren ist sicherlich ein tolles Material für eine Tasche. 

Und zu finden sind die beiden Teile jetzt auch bei Lieblingsstücke, Von Tag zu Tag, Facile et beau

Hamburger dürfen das

Mein altes Hamburger Fischerhemd! Ach, was war ich vor vielen Jahren froh, als ich genau dieses gute Stück in einem Laden am Hafen ergatterte. Ich hatte zuvor schon ein anderes gehabt, dessen Schnitt anders und vermutlich dem Original am ähnlichsten war. Aber dieses Hemd war anders und es war gerade der Schnitt, der mich sofort zugreifen ließ.

Ich kann mich nicht im entferntesten daran erinnern, es jemals getragen zu haben. Wenn es hochkommt, vielleicht einmal zu Hause. Aber immerhin hatte ich eins und ich liebte es eben genau deshalb. Es war meins!
Dann wanderte es vor einigen Jahren aus meinem Kleiderschrank in die Tasche mit abgelegten Klamotten, die aber nicht weggeworfen werden dürfen. Auch da blieb es einige Jahre, bis es in der Tasche in mein Nähzimmer umzog. Wieder Jahre später – genauer gesagt vor ein paar Monaten fand ich es dann und dachte mir, daraus könnte man ja mal was machen. Nach Begriffen wie „Jahre“ und „Monate“ nahm alles dann doch eine relativ rasante Wandlung. Vor ein paar Wochen hatte ich dann die richtige Idee. Der nächste Urlaub war gebucht und ich konnte mich gedanklich schon mit der Sommergarderobe auseinandersetzen, als mir das Hemd wieder in den Sinn kam und ich entschied: Ich brauche Shorts!
Und nachdem die Pelzdecke fertig war wollte ich mich selbst belohnen und mir die Shorts nähen, was ich dann am Wochenende in Angriff nahm. (Die Pelzdecke ist übrigens beim Auftraggeber ein riesiger Erfolg und die von mir mit großem Eifer gepackte Kiste mit Restpelzen stand schon im Flur, um endlich wegzukommen. Doch irgendwie scheinen diese Pelze einen Boomerangeffekt zu haben. Die Kiste bin ich zwar los, aber die Pelze nicht. Neuer Auftrag: Kissenbezüge nähen. Und wenn dann noch was übrig ist: Taschen!)

Doch zurück zu meiner Shorts. Nach Schnittmustern hatte ich schon geschaut, mir mögliche in meine Leseliste auf meinem Tablett gespeichert, mich aber dann umentschieden, weil ich den Schnitt von meiner Lieblingsjeans als Vorlage nehmen wollte. Es gibt viele Anleitungen im Internet, wie man von bestehenden Kleidungsstücken „einfach“ den Schnitt kopieren kann, aber irgendwie stelle ich mich dabei immer blöd an. Gelungen ist es mir so wirklich noch nicht. Nach einigem Hin und Her und diversen Improvisationen hatte ich endlich einen akzeptalen Schnitt und entschied noch kurzerhand, dass ich unbedingt einen üblichen Hosenreißverschluss brauche, was natürlich beim Zuschnitt nicht berücksichtigt war. Aber auch da fand ich eine Lösung (und die sieht erst derjenige, der sich die Mühe machen würde, die Hose wieder aufzutrennen).
Zum Hosenreissverschluß muss ich noch folgendes sagen. Ich habe schon viele Reißverschlüsse in Hosen eingenäht und ich scheue mich auch nicht davor. Das funktioniert aber auch nur, weil es auf Youtube ein Video gibt, ohne das ich aufgeschmissen wäre. Selbst wenn ich 10 Hosenreißverschlüsse hintereinander einnähen müsste, ich bräuchte immer dieses Video. Es liegt vielleicht daran, dass ich es Schritt für Schritt nachmache und noch immer nicht die Logik dahinter verstanden habe – aber jedes Mal ist es ein 1a Reißverschluss.

Die Vordertaschen habe ich nachträglich aufgesetzt.

Die Ösen wollte ich unbedingt als Element in der Hose haben. Anfangs hatte ich mal darüber nachgedacht, diesen Ösenteil als Verschluß anstelle des Reißverschlusses zu machen, aber es wirkte zu sehr nach Kindergartenhöschen und aus dem Alter bin ich nun schon lange raus.

Schon beim Zuschnitt hatte ich den Gedanken, dass es ja eigentlich eine Sünde ist, ein Hamburger Fischerhemd zu zerschneiden. Wer es noch nicht weiß: Ich lebe als gebürtige und überzeugte Hamburgerin in Hessen und das mit einer nicht fehlenden immer wieder zum Vorschein kommenden urhamburger Arroganz gepaart mit einer extremen Verherrlichung meiner Heimatstadt. Hätte jetzt ein Hesse oder sonstiger Nicht-Hamburger dieses Fischerhemd zerschnitten, wäre ich entsetzt gewesen. Bei meinem letzten Besuch in Hamburg im Januar fand ich aber eine tolle Karte, auf der stand „Hamburger dürfen das“. Und dies wurde mein Motto für meine Shorts. Vielleicht mache ich noch ein Label und nähe es irgendwo an.

Noch eine kleine Zusammenfassung auch für den Creadienstag und Streifenliebe