Und jetzt?

Nach einer Woche in Meeresnähe bei meiner bestern Freundin, einer Ü30 Party (wo mir am Eingang einfiel, dass ich meinem Partner vor einer ganzen Weile mal voller Überzeugung gesagt hatte, dass meine Discozeit endgültig vorüber ist) und die ich erst um 3:00 Uhr morgens verließ, einem Besuch in Lübeck, wo ich den leckersten Cocktail meines bisherigen Lebens trank, joggen am Nord-Ostsee-Kanal, Milchkaffee mit Blick aufs Meer und dem ungewöhnliche Gefühl, 2x mit der Bahn durch Hamburg, meiner Heimatstadt, gefahren zu sein, ohne auszusteigen (ich danke der Deutschen Bahn übrigens an dieser Stelle sehr für die Möglichkeit, auf der Rückfahrt aufgrund einer Verspätung mein Sportprogramm im Bereich Ausdauer und Krafttraining innerhalb von 2 Minuten gleich miterledigen zu können), bin ich nun wieder zu Hause und kann mich meinen Projekten widmen.
Mein letztes Projekt – das umgewandelte Herrenoberhemd beschäftigt mich allerdings noch. Die Shorts war eines der ersten Kleidungsstücke, die mich zu Hause empfing, weil ich vor meiner Abfahrt nicht mehr zum Aufräumen gekommen war. 
Da heute Rums-Tag ist möchte ich gern mal eine (nicht immer ganz ernstgemeinte) Umfrage unter den Besuchern machen. Wenn Ihr so eine Hose hättet, wie würdet ihr sie stylen? Mit Tshirt oder Bluse? Am besten nur zu Hause? Gestreiftes Oberteil oder auch kariert? Krawatte oder Fliege?
Im Strandbad als Badeshorts? 
Eventuell Manschettenknöpfe? 
Ich freue mich auf Eure Ideen, während ich jetzt erstmal eine alte und zu große Übergangsjacke bearbeite, bevor ich mich an das nächste Hemd mache. 

Hamburger dürfen das

Mein altes Hamburger Fischerhemd! Ach, was war ich vor vielen Jahren froh, als ich genau dieses gute Stück in einem Laden am Hafen ergatterte. Ich hatte zuvor schon ein anderes gehabt, dessen Schnitt anders und vermutlich dem Original am ähnlichsten war. Aber dieses Hemd war anders und es war gerade der Schnitt, der mich sofort zugreifen ließ.

Ich kann mich nicht im entferntesten daran erinnern, es jemals getragen zu haben. Wenn es hochkommt, vielleicht einmal zu Hause. Aber immerhin hatte ich eins und ich liebte es eben genau deshalb. Es war meins!
Dann wanderte es vor einigen Jahren aus meinem Kleiderschrank in die Tasche mit abgelegten Klamotten, die aber nicht weggeworfen werden dürfen. Auch da blieb es einige Jahre, bis es in der Tasche in mein Nähzimmer umzog. Wieder Jahre später – genauer gesagt vor ein paar Monaten fand ich es dann und dachte mir, daraus könnte man ja mal was machen. Nach Begriffen wie „Jahre“ und „Monate“ nahm alles dann doch eine relativ rasante Wandlung. Vor ein paar Wochen hatte ich dann die richtige Idee. Der nächste Urlaub war gebucht und ich konnte mich gedanklich schon mit der Sommergarderobe auseinandersetzen, als mir das Hemd wieder in den Sinn kam und ich entschied: Ich brauche Shorts!
Und nachdem die Pelzdecke fertig war wollte ich mich selbst belohnen und mir die Shorts nähen, was ich dann am Wochenende in Angriff nahm. (Die Pelzdecke ist übrigens beim Auftraggeber ein riesiger Erfolg und die von mir mit großem Eifer gepackte Kiste mit Restpelzen stand schon im Flur, um endlich wegzukommen. Doch irgendwie scheinen diese Pelze einen Boomerangeffekt zu haben. Die Kiste bin ich zwar los, aber die Pelze nicht. Neuer Auftrag: Kissenbezüge nähen. Und wenn dann noch was übrig ist: Taschen!)

Doch zurück zu meiner Shorts. Nach Schnittmustern hatte ich schon geschaut, mir mögliche in meine Leseliste auf meinem Tablett gespeichert, mich aber dann umentschieden, weil ich den Schnitt von meiner Lieblingsjeans als Vorlage nehmen wollte. Es gibt viele Anleitungen im Internet, wie man von bestehenden Kleidungsstücken „einfach“ den Schnitt kopieren kann, aber irgendwie stelle ich mich dabei immer blöd an. Gelungen ist es mir so wirklich noch nicht. Nach einigem Hin und Her und diversen Improvisationen hatte ich endlich einen akzeptalen Schnitt und entschied noch kurzerhand, dass ich unbedingt einen üblichen Hosenreißverschluss brauche, was natürlich beim Zuschnitt nicht berücksichtigt war. Aber auch da fand ich eine Lösung (und die sieht erst derjenige, der sich die Mühe machen würde, die Hose wieder aufzutrennen).
Zum Hosenreissverschluß muss ich noch folgendes sagen. Ich habe schon viele Reißverschlüsse in Hosen eingenäht und ich scheue mich auch nicht davor. Das funktioniert aber auch nur, weil es auf Youtube ein Video gibt, ohne das ich aufgeschmissen wäre. Selbst wenn ich 10 Hosenreißverschlüsse hintereinander einnähen müsste, ich bräuchte immer dieses Video. Es liegt vielleicht daran, dass ich es Schritt für Schritt nachmache und noch immer nicht die Logik dahinter verstanden habe – aber jedes Mal ist es ein 1a Reißverschluss.

Die Vordertaschen habe ich nachträglich aufgesetzt.

Die Ösen wollte ich unbedingt als Element in der Hose haben. Anfangs hatte ich mal darüber nachgedacht, diesen Ösenteil als Verschluß anstelle des Reißverschlusses zu machen, aber es wirkte zu sehr nach Kindergartenhöschen und aus dem Alter bin ich nun schon lange raus.

Schon beim Zuschnitt hatte ich den Gedanken, dass es ja eigentlich eine Sünde ist, ein Hamburger Fischerhemd zu zerschneiden. Wer es noch nicht weiß: Ich lebe als gebürtige und überzeugte Hamburgerin in Hessen und das mit einer nicht fehlenden immer wieder zum Vorschein kommenden urhamburger Arroganz gepaart mit einer extremen Verherrlichung meiner Heimatstadt. Hätte jetzt ein Hesse oder sonstiger Nicht-Hamburger dieses Fischerhemd zerschnitten, wäre ich entsetzt gewesen. Bei meinem letzten Besuch in Hamburg im Januar fand ich aber eine tolle Karte, auf der stand „Hamburger dürfen das“. Und dies wurde mein Motto für meine Shorts. Vielleicht mache ich noch ein Label und nähe es irgendwo an.

Noch eine kleine Zusammenfassung auch für den Creadienstag und Streifenliebe